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Green Day vs. NOFX - Punk
Op(er)as unter sich! |
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Ein halbes Jahr zu spät
- das kann schonmal passieren. Zur Veröffentlichung von Green Day's "American
Idiot" entstand das Gerüst für diese kleine Vergleichsstory.
Irgendwie hab ichs nicht geschafft, das Dokument fertig zu schreiben. Aber
wir lassen ja nichts verkommen. Deswegen jetzt mit Verspätung "Ring
frei" für zwei der wichtigsten PopPunkBands von heute. |
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So schnell kann's gehen! Ein oder zwei Schreiberlinge auf der
anderen Seite des Ozeans prägen den Begriff PunkOpera für eine
etwas extravagantere Songzusammenstellung einer sehr bekannten Rockband.
Schon liest sich jede weitere Plattenankündigung, Intervieweinleitung
und alle Konzertberichte wie abgekupfert (dieses Fanzine nimmt sich da nicht
aus, hehe). Uhhh, Green Day werden jetzt noch erwachsener und versuchen sich
an Konzeptalben wie "Tommy" oder "The Wall", so stand
es allerortens geschrieben. Songfragmente werden zusammengeklebt und möglichst
stimmig untereinander verbunden. Hooray, das Punkgenre lebt weiter, dank
dieses einmaligen Einfalls. Ups, da wurde aber etwas vergessen!
Vor mehr als 5 Jahren kroch etwas aus den Motor Studios in San
Francisco, mit dem die Punkszene eigentlich gerechnet haben musste. Schließlich
kam dieses Etwas von einer der Bands, die ihren Einfluss auf den Punk nur
durch ihre skurilen Einfälle und ihren Sinn fürs Ausloten von Untiefen
im musikalisch Machbaren überbieten. NOFX traten mit "The Decline" ans
Tageslicht. Eine etwas unerwartete Veröffentlichung, der leider auch
nach dem Release viel zu wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Sonst wüsste
nämlich jeder Schmierfink, dass die Abteilung Punk-Oper schon besetzt
ist. Eben von dieser 18 minütigen Berg- und Talfahrt durch die durchaus
breitangelegten Jagdgründe von NOFX. Mehr als ein Dutzend Songfragmente
der allerfeinsten Sorte stoppelten Fat Mike & Co. zu einem einzigen Megasong
zusammen. Die treffende Warnung auf der CD lautet daher: "Kids, please
do not try this song at home."
Die großartige Veröffentlichung von "American Idiot" bietet
nicht nur die Gelegenheit, NOFX Meisterwerk späte Würdigung zukommen
zu lassen. Es ist auch ein guter Zeitpunkt, beide Kunstwerke gegeneinander
antreten zu lassen. Oldie gegen Herausforderer sozusagen, eine Zuordnung,
die aufgrund der längeren Anwesenheit von NOFX im Punkzirkus fast schon
berechtigt ist.
Äpfel
und Birnen - Die Vergleichbarkeit
NOFX bringen einen einzigen 18 Minuten Track auf die Waage,
Green Day dagegen ein ganzes Album, dessen Kernstücke
zwei jeweils rund 9 Minuten lange Lieder sind, die verschiedene
Halbsongs vereinen. Geklammert wird das Ganze durch eine
Story um drei Charaktere, die untereinander und vor allem
mit dem amerikanischen Traum eine konfliktreiche Beziehung
pflegen.
Living in united stagnation - Die Thematik
Es ist, als hätten sich Green Day und NOFX abgesprochen
und sich vorgenommen, eine gemeinsame Aufgabe unterschiedlich
zu lösen. Denn thematisch passt zwischen beide "Operas" höchstens
ein Molotow-Cocktail. Beide Bands haben, ganz grob gedeutet,
die Entfremdung vom amerikanischen Traum und alle damit verbundenen
Widersprüchen zum Inhalt genommen, um agitatorisch auf
den Putz zu hauen. Wobei Green Day natürlich ein viel
wertvolleres Feindbild George W. Bush zum abarbeiten haben.
NOFX betrachten wohl eher die verottete Basis der ausgehden
Clinton-Ära, als die Reichen noch reicher und die Armen...
na ihr wisst schon, hat sich ja eher nicht geändert, die
Situation.
Unterschiede finden sich eher in der Beschreibung der "Kernbotschaft":
Green Day gehen den introvertierten Weg, aus der Ich-Perspektive
der drei Charaktere. NOFX greifen dagegen kurze Fragmente aus
ganz unterschiedlichen Lebenssituationen heraus, die vordergründig
nicht miteinander zusammenhängen.
Underground vs. Charts
- Die Aufmachung
Die Edelbooklet-Version von "American Idiot" kostet
locker über 20 Euro, kommt dafür aber mit schicken
Songtexten und Zusatzstory daher, die die Handlung um St. Jimmy,
Whatsername und Jesus Of Suburbia weitertreibt. NOFX bleiben
spartanisch, schließlich firmiert "The Decline" auch
unter der Verniedlichung "EP". Das Cover ist gewohnt
trashig und agitatorisch versifft, dafür prangt aber auch
der Hinweis "Pay No More Than $11.00" auf der Hülle.
Da achtet also jemand auf seine Schäfchen. Trotzdem: Hier
einen Gewinner auszurufen, macht kaum Sinn. Indie-EP bleibt
Indie-EP und Majorlabel bleibt Majorlabel. Wer auf Schnickschnack
verzichten kann, der greift eh zur billigeren Version von "American
Idiot". Und NOFX Fans sind sowieso auf die inneren Werte
geeicht. Obwohl die Edelversion von "American Idiot" schon
gut in der Hand liegt...
And The Winner is
Gewinner gibt es nicht und wenn, dann halt zwei. Sowohl "American
Idiot" als auch "The Decline" sind kleine bzw.
große Meisterwerke, sowohl innerhalb des Band-Werkes
als auch im gesamten Genre. Diese kleine Story wollte eben
diese Feststellung eigentlich nur noch einmal zementieren.
Wer die beiden Alben eigenohrig gehört hat, wusste das
eh schon vorher. Aber ich fühl mich jetzt besser.
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