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Hurricane 2003 - Das ultimative
Festivaltagebuch |
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Die Vorfreude war riesengroß,
denn mit den großen Eintrittspreisen (79 Euros sind an früheren
Preisen gemessen ganz schön happig) kommen endlich auch wieder große
Namen auf das Festival-Tableau. Hatte manch einer schon
nicht schlecht gestaunt, welch geballte Klasse beim Festival-Klassiker „Rock
am Ring/Rock im Park“ auflief, so wurde er beim Hurricane-Line Up
nicht minder überrascht. Grund genug für das punch fanzine sich
dieses Spektakel genauer anzusehen und darüber genauestens Buch zu
führen. |
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In The Beginning... Donnerstag, 19.6.2003
Viele Wege führen nach Rom, doch nur einer nach Scheeßel- zu mindest
von Süden kommend. Der erzkatholische Feiertag Fronleichnam machte es
möglich, dass am Donnerstag bereits 17000 Besitzer eines Festival-Tickets
den glorreichen Einfall hatten nach Scheeßel im Landkreis Rothenburg
aufzubrechen. Wer Scheeßel kennt, kann sich das daraus resultierende
Verkehrschaos ausmalen. Die B 75 total zu, bereits vor Rothenburg. Nach über
300 Kilometern und acht Stunden ereichten wir den Parkplatz dennoch und wurden
mit einem ordentlichen Wolkenbruch begrüßt, der uns weitere 30
Minuten im Auto verweilen ließ. Irgendwann mitten in der Nacht konnten
wir dennoch unser frisch aufgeschlagenes Zelt beziehen und in unsere Schlafsäcke
kriechen. Wenn man jedoch null Dezibel als normale Schlafumgebung gewohnt
ist, braucht es Gewöhnung, um bei ‚Rundumbeschallung’ einschlafen
zu können. Das Thema Schlaf hatte sich für diese Nacht also erledigt.
Strategisch günstig lag das Festival zudem zur Sommersonnenwende (21.Juni).
Es sollten uns also die längsten Tage und kürzesten Nächte
bevorstehen. Vom Regen mal abgesehen also rundum gute Rahmenbedingungen drei
Tage und Nächte dem hemmungslosen Partywahn zu verfallen, he, he...
Get this party started…Freitag, 20.06.2003
Wie fühlt man sich nach fünf Stunden Schlaf? Es fällt schwer
diese Frage im Rückblick mit Rücksicht auf meinen seiner Zeit geschundenen
Körper zu beantworten. Schlecht scheint mir noch untertrieben. Genug
gememmt. Der Alk war alle. Schnell zum „Hol ab“ (was für
n cooler Name für n Getränkemarkt) und schnell nachladen. Nebenan
der Lidl, Grillfleisch und Grill einladen. Wir wollten schließlich
dem Klischee des typischen Festivalbesuchers voll auf gerecht werden. Also,
schnell zurück. Mit Pressepass hatten wir den Vorteil, schneller zum
Parkplatz zu gelangen, weil wir uns an den hoffnungslos überforderten
Ordnern vorbeistehlen und so die kürzere Route fahren konnten. Das ist
gut, denn die Kehle brennt und der Verstand verlangte nach Bier. So weit
so gut, nach einer gepflegten Grillmalzeit und diversen Bieren ging es zum
Festivalgelände. Starsailor entsandten gerade ihre letzten zarten Akkorde
von der Hauptbühne gen Publikum, als wir den schönen Festivalgrund,
der Eichenring fungiert sonst als Rennstrecke, erreichten. Warum also Zeit
vergeuden, schließlich sollte Goldfrapp um 20 Uhr die Bühne entern.
Zum Auftakt der Show gab’s Musik vom Klassiker „Felt Mountain“.
Das kam gut an. Das Publikum ging mit. Allison Goldfrapp setzte ihren ganzen
Charme ein und zog das Publikum schnell auf ihre Seite. Kunststück,
mit solch einem brillanten Album im Rücken. Das Zelt füllte sich
und die Stimmung verweilte stetig auf exstatischem Level. Auch die Songs
vom neuen Album „Black Cherry“ erzielten einen beachtlichen Wiedererkennungseffekt
beim Publikum. Zusammenfassend: Teil 1 „Felt Mountain“, Teil
2 „Black Cherry“ – eine gute Zusammenstellung.
Auf
der Hauptbühne versuchten derweil Tocotronic ihr Glück
als Zwan- Ersatz. In eigener Sache: Liebes Scorpio-Team, man
kann über viel streiten, aber eine deutsche Rockband als
gleichwertigen Ersatz für eine der international derzeit
angesagtesten Bands zu bezeichnen, halte ich für überzogen.
Egal, die Tocos machten das beste draus und spielten wohl einen
souveränes Set, wie mir berichtet wurde. Es blieb nicht
viel Zeit, Röyksopp standen in den Startlöchern und
kündigten sich an, das Zelt erneut in eine brodelnde Tanzhölle
zu verwandeln, was ihnen auch gelang. Es ist schon erstaunlich,
was die Norweger mit ihrem einzigen Album „Meldoy AM“ bewegen.
Da wurden Remixe oder überarbeitete Versionen dargeboten.
Trotz einer Solo-Tour und außerdem als Support von Moby
in Europa dem Publikum bestens bekannt, blieben Röyksopp
spannend. Zudem wurden die ersten neuen Songs präsentiert
(Wann kommt endlich das neue Album, hä???), die auf großes
hoffen lassen. Während wir darauf hofften, dass der Röyksopp-Gig
nie enden würde, ging es auf der Hauptbühne hart
und brachial zur Sache. Sandra Nasic und ihre Guano Apes rockten
die Hauptbühne. Nasic hatte sich dem hören sagen
nach wohl am Arm verletzt und soll während ihres Gigs
gut indispuniert gewesen sein. Als ich dann schließlich
doch dem Zelt entschlich mit der traurigen Feststellung, dass
der Röyksopp- Gig doch nur über die geplante Stunde
ging, hüpfte die Gute auf der Bühne rum als würde
sie sich bester Gesundheit erfreuen. Was war nun Wahrheit und
was Dichtung? Oder bestimmte der Alkohol schon meine Dichte?
Zweifelsfrei konnte das nicht geklärt werden und somit
muss die Nasic- Angelegenheit offen bleiben.
Beth Gibbons und Rustin Man gaben sich dann im Zelt die Ehre,
doch es galt die besten Plätze für Coldplay zu reservieren
und somit ging ein weiterer Premium Act dahin, ohne dass wir
einen Blick auf ihn werfen konnten.
Das
Warten auf Coldplay hatte sich aber gelohnt. Bereits mit „Parachutes“ vielfach
gelobt, gelang den Briten mit „A rush of blood to the
head“ endgültig der Durchbruch.. Das spiegelte sich
in einer restlos ausverkauften Hallen-Tour durch Deutschland
im Frühjahr wieder und fand seine Fortsetzung auf dem
Hurricane- Festival. Coldplay spielen derzeit in der Champions-Leauge
des Musikbizz und waren folglich ein verdienter Headliner.
Zwar haben Chris Martin und Mannen (Ob Gwyneth Paltrow mit
aufs Land gekommen war, konnte nicht geklärt werden) nicht
das Rad neu erfunden, ich könnte nicht eine Geste aufzählen,
die den Gig unvergesslich machen würde, aber dennoch zogen
Coldplay das Publikum in ihren Bann. Da wurde nicht nur gejohlt
als die Singles gespielt wurden. Vom Opener „Politik“ bis
hin zu den Singles „In My Place“ und „Clocks“,
die erst bei den Zugaben geboten wurden, verharrte das Auditorium
in fast schon devoter Bewunderung. Es mag an den romantischen,
verzaubernden Melodien gelegen haben, die zum träumen
animierten und uns jetzt in endlose Schwärmereien verfallen
lassen. Genug davon, der Gig der Briten war bezaubernd, wundervoll,
großartig, aber das Festival hatte noch mehr zu bieten
als Coldplay. Der Samstag lauerte bereits. Immer noch verzaubert
schlichen wir uns zum Zelt, wo wir völlig erschöpft
direkt den Schlafsack beehrten und das nachholten, was in der
vergangenen Nacht nicht geklappt hatte!
Karma
Koma…Samstag, 21.06.2003
Endlich, der Tag begann ausgeschlafen- ausschlafen heißt
in diesem Fall 8.30 Uhr. Noch genug Zeit um die erste Dusche
des Festivals zu nehmen. Duschen auf Festivals ist ein Abenteuer.
Man nehme ein Partyzelt (ein größeres für Gesellschaften
ab 300 Mann) installiere 20 Duschen für Männer und
20 für Frauen, das ganze mit Bauzaun getrennt und eine Rinne
rin, damit das ganze auch ablaufen kann. Zusammengefercht darf
man dann wie bei der Massenabfertigung auf seine Brause warten,
die aber, oh Schreck, nur kaltes Wasser von sich geben. Nichts
für Weicheier. Einen Vorteil hat das Ganze: der Kreislauf
ist so gut in Schuss, dass man loslegen kann wie ein „Duracell-
Hässchen“. Genug zum Thema.
Nach dem Duschen: Bier-Frühstück. Auch so ein Festival-Ritus.
Keiner weiß wer den Trend gelegt hat, doch für drei
Tage siehst du über 24 Stunden nahezu jede Gestalt mit einem
Behältnis, das Alkohol beinhaltet. Statt Brötchen,
Croissant und Nusspli gab’s die gute Rostbratwurst und
zwar um 11 Uhr. Dazu Bier en Masse- Prost. Zu viel Alk, und schon
wieder den halben Tag versoffen.
Good Charlotte, Anouk und Skin haben sich bei nem kühlen
Pils aber sehr gut angehört. Rechtzeitig zu Apocalyptika
erreichen wir das Festivalgelände. Zeit genug sich bei Nachos
zu entspannen. Die Skandinavier haben auf jeden Fall ihre berühmte
Coverversion des Metallica- Klassikers „Enter Sandmann“ auf
ihren Streichinstrumenten erklingen lassen und mit der Frontfrau
von Lambretta, Lind Sundblad, wurde der Knaller „Bimbo“ der
Schweden zum besten gegeben, so weit so schlecht.
Schnell zum „Drum Communicator“, Promo Hauptquartier
des Tabakherstellers, um noch mehr Säckel Tabak unters Volk
zu bringen. Schwachsinnige Dreh- Wettberwerbe und diverse Devotionalien
zum Verkauf erwarteten den Festival-Besucher- aber der Kaffee
war echt gut..., und groß und lecker, und billig. Außerdem
bot der Communicator die Ideale Plattform, um entspann aus der
Ferne raus aus dem Gedränge entspannt dem Festivaltreiben
zu folgen. Gesagt, getan: 17.40 Uhr die Sonne lacht, das Bier
knallt, NOFX betreten die Bühne. Fat Mike wettert zur Begrüßung
direkt gegen die Regierung „I want Dick Cheney to become
a heart attack, I want to see George Bush drunk!“ Großes
Entertainment, jetzt fehlt nur noch, dass Michael Moore dazukommt
und aus seinem Bestseller „Stupid White Man“ liest.
Doch so weit kommt es nicht. El Hefe packt die Trompete aus und
NOFX rocken was das Zeug hält. Das Publikum ging mit und
erwies sich als absolut textsicher. Beim Klassiker „Don’t
call me white“ grölten geschätze 20000 Kehlen
die Parole. Zwischendurch referierte El Hefe darüber, wie
großartig die Auswahl an Porno-Kanälen in deutschen
Hotels sei´(„my dick is sooooooo hard“) und
Fat Mike pries den folgenden Act The Roots als die beste Band
des Festivals an.
Jedoch
konnte die Roots NOFX in keinem Fall das Wasser reichen. Zu
verschnörkelt, zu groovy kam der Sound der Band rüber
die vom Rolling Stone einst als „best live act in hip
hop“ angepriesen wurde. Nicht, dass ich falsch verstanden
werde, The Roots waren nicht schlecht, sie wurden nur nicht
vom Publikum angenommen und waren auf Grund des musikalischen
Kontrasts zu NOFX wahrscheinlich auch deplaziert.
Mehr Spaß machten da schon die Jungs von Seeed. „Dickes
B oben an der Spree...“, doch auch jenseits von Berlin
sind Seeed derzeit bestens bekannt. In den zwei Jahren, die seit
dem Support von R.E.M. in Köln vor 80000 Leuten vergangen
sind, hat die Band sich einen festen Platz in der Hip Hop-Szene
erkämpft, ist gar eines ihrer Aushängeschilder. Die
Spaßmusik, die auf dem Tonträger zu vernehmen ist,
wird beim Konzert konsequent weiterverfolgt. Spaß ist das
Element, das im Mittelpunkt steht und als solches die ideale
Basis darstellt, um eine gute Party zu schmeißen. Seeed
taten genau dies. Da ist es egal das Alfi Probleme mit dem Knie
hat und das Konzert auf einem eigens für ihn gebauten Thron
verbringen muss. Die Stimmung stimmt, ist vielmehr auf dem Siedepunkt,
als Enuff das Publikum ein letztes Mal zum Springen auffordert.
Geschätzte 35000 Beine lassen Scheeßel beben und hüpfen
was das Zeug hält. Ein Bild, das man nicht so schnell vergisst.
Zweifelsohne stellte der Gig einen der Höhepunkte des Festivals
dar.
Doch bereits im Anschluss hatte sich die Dame angesagt, die im
Vorfeld vielfach als die schönste Blume der Musiklandschaft
angepriesen wurde. Wer jedoch solch grandiose Alben wie „debut“, „post“ oder „homogenic“ vorgelegt
hat braucht solche Vorschuss-Lorbeeren nicht zu scheuen. Die
Erwartung war groß, die an diesen Gig (einer von zwei Deutschland-
Konzerten) geknüpft war. Doch der Abend verlief anders.
Mit Papageien-Maske (oder was trug die extravagante Diva an jenem
Abend?) bekleidet, enterte Björk mit ihrem mehrköpfigem
Orchester die Bühne. Das Orchester kannten wir ja schon
seit der Tour 2001, auch wenn es hier ein paar weniger Musiker
waren, aber für 120 Mann wäre auf der Bühne beim
besten Willen kein Platz gewesen. Im Hintergrund wurden auf einer
Videoleinwand derart schräge Clips dargeboten, dass man
sich ernsthaft fragen musste, ob Björk psychisch krank ist.
Die Isländerin polarisiert, das tat sie immer und sie tut
es noch. Die beiden ersten Alben jedoch komplett auszusparen,
war schon ein Akt der Arroganz. Lediglich „Army Of Me“ wurde
zum besten geben und das in einer Version, die vom ursprünglichen
Song fast nichts mehr übrig ließ. Wie gesagt, sie
polarisiert. Ihr Auftritt an selbiger Stelle fünf Jahre
zuvor, wusste mehr zu gefallen.
Genug
lamentiert- wir warteten gebannt auf Massive Attack, die als
Headliner gesetzt waren. Eine nahezu ausverkaufte Tour im Frühjahr
versprach großes. Bristols Urgesteine und Wegbereiter
des massenkompatibelen Trip Hops haben mit ihrem aktuellen
Album „100th Window“ mal wieder gezeigt wo der
Hammer hängt. Massive Attack bitte übernehmen sie.
Gesagt, getan. Mit einer bombastischen Lichtshow, die nicht
nur durch ausgefallene Lichteffekte zu begeistern wusste, sondern
durch eine geniale Videoshow nicht minder zu beeindrucken wusste.
Zu Beginn direkt die bekannten Songs „Special cases“ oder „Karma
Koma“. Die Songs vom aktuellen Album wurden gut mit dem
Backkatalog gemischt. Dazu immer wieder dieses „jegliche
Dimension sprengende“ Bühnenbild. Massive Attack
verzauberten ihr Publikum. Mitten drin auch Björk, die
sich, diesmal ohne Papageno-Look, unters Volk gemischt hatte.
Zum Abschluss eines begeisternden Sets wurde der Klassiker „Unfinished
Sympathy“ geboten und dem Betrachter blieb die Rosendalsche
würdigende Erkenntnis: „Das war spitze!“.
I will survive…Sonntag, 22.06.2003
Es war ein grauenvoller Morgen, denn es war noch morgens, genauer
gesagt 9:00 Uhr- aufstehen. Mein Körper versuchte standhaft
gegen die Strapazen der letzten Nächte zu rebellieren, eine
der berühmten kalten Duschen wusste das zu verhindern. Zu
allem Überfluss ist unser Nummernschild geklaut ( Danke
Arschloch )! Nach endloser Zeit bei der Polizei und einer Grillmalzeit,
zahlreichen Bieren weiter, kommen wir gerade noch rechtzeitig,
um den Schluss von Millencollin mitzuverfolgen. Die Finnen machen
Spaß und sind lebendiger Beweis dafür, dass wer sich
jahrelang den Arsch aufreißt, auch irgendwann mal als Belohnung
auf eine der großen Festival-Bühnen ran darf. Schnell
zum Drum Communicator, beste Plätze sichern und auf Amerikas
angesagte Folk-Rock- Kapelle Counting Crows warten. Wolken zogen
auf, ließen den Himmel dunkel werden und Adam Duritz und
Bandkumpanen boten einen soliden Gig, fast ein bisschen zu solide,
denn wie aus Erzählungen überliefert, sollen die Amis
30 Minuten überzogen haben. Macht man doch nicht so was,
pfui, extra pfui, extra pfui gold, aber weil es Counting Crows
sind dürfen sie das. Schade, dass Moloko pünktlich
anfingen, sonst hätte ich die halbe Stunde gerne mitgenommen.
So ging’s rüber ins Zelt zu Moloko. Die Briten legten
kräftig los und brachten das Zelt schnell zum kochen. So
weit das Auge reichte, erblickte es tanzendes Volk- Kunststück
zu solch schönen Dance- Stücken wie „Fun For
Me“, „The Time Is Now“ oder „Sing It
Back“. Das prall gefüllte Zelt und der Rest, der es
nur bis vor das Zelt geschafft hatte, ließen nur eine Frage
zu: Warum bitte spielte dieser bekannte Act im Zelt und nicht
auf die Hauptbühne?
Das
Programm verlautete irgendwas von Stadion-Techno, den die Band
Underworld darbieten würde, doch seien wir ehrlich: Underworld
hätten sich besser im Zelt gemacht und Moloko waren der
legitime Anheizer für Radiohead. Underworld erledigten
ihre Sache gut, doch wurde schnell klar, dass Underworld keine
20000 Menschen begeistern können, zumindest in Deutschland.
Bevor Radiohead ran durften, sorgte Patrice im Zelt für
eine Menge Joints und brachte die Sonne, die sich an diesem Nachmittag
leider partout nicht blicken lassen wollte, nach Scheeßel
zurück. Die schönen Reggae-Sounds erfreuten das Publikum,
doch als Radiohead sich ankündigten ihr neuestes Werk „Hail
to the thief“ zu präsentieren, wurde es leerer.
Gegen Radiohead ist es aber auch schwer anzustinken. Also schnell
rüber zur Hauptbühne. Wie würde Thom York diesmal
drauf sein? Kleiner Psycho was führst du im Schilde? Radiohead
warteten auch mit einem sehr interessanten Bühnenbild, das
bestens mit der Lichtshow harmonierte, auf. Ladies and gentlemen
vergessen wir die ersten beiden Alben „The Bends“ und „Pablo
Honey“ und konzentrieren uns voll auf die Geschichte ab „OK
Computer“. Da wurden „No Surprises“, „Paranoid
Androit“ und „The Tourist“ zum besten gegeben.
Das längst vergessene „Talk show host“ vom „Romeo & Juliet“-
Soundtrack wurde genauso dargeboten wie die aktuelle Single „There
There“ genau wie das elegisch „Everything In Its
Right Place“ vom schwierigen Longplayer „Kid A“.
Radiohead waren elegant und sind souveräner geworden. Mastermind
Thom York rastet nur noch gelegentlich aus und redet sogar gelegentlich
mit dem Publikum- Hier sei Guildo Horn zitiert „Wunder
gibt es immer wieder“. Zum Schluss gab’s sogar zwei
Zugaben. Langsam rappeln sich die Briten um ihren charismatischen
Frontmann wieder und in ferner Zukunft besteht sogar die Hoffnung,
dass sie eine ganz normale Rockband werden, auch wenn wir uns
das nie wünschen werden. Kurzum bildeten Radiohead einen
grandiosen Abschluss eines begeisternden Festivals.
Der Bettgang fiel an diesem Abend sogar leicht, denn der halbe
Zeltplatz war bereits auf dem Heimweg. Hoffnung auf eine längere
Nacht waren berechtigt ...
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