 |
|
|
|  | |
 |  | |  | |
|
|
Festival Vs. Dosenpfand |
|  |
|
|
Seit dem 01.01.2003 ist das Dosenpfand von der Bundesregierung per Gesetz eingeführt worden. Soweit so gut, welcher PunkRocker und Musikliebhaber aus der alternativeren Szene würde eine solche Entscheidung anprangern wollen. Gerade die achten ja besonders auf Political Correctness, Tier- und Umweltschutz. Der einzige Umweltfrevel ereignet sich im schlimmsten Falle vor/nach einem guten Konzert, wo aus Freude über die dargebotene Bühnenperformance die eine oder andere Pfandbierflasche am Boden zerschmettert wird. Das passiert schonmal und zeugt nun wirklich nicht von Abneigung gegen die Eindämmung der Dosenflut. |
|
| |
|
Vielleicht würde sich aber harscher Protest erheben, wenn man
die mittelfristigen Auswirkungen für die Musikfreaks und Konzertgänger
betrachten würde. Ist irgend jemandem schonmal aufgefallen, dass
Herr Trittin ganz geschickt die kalte Jahreszeit als Starttermin für
den Dosen-Bann gewählt hat? Denn es ist meistens nahe 0 Grad,
Konzerte finden eher drinnen statt und aus naheliegenden Gründen
wird auf eine sehr beliebte Musik-Darbietungsform verzichtet. Genau,
die Festivals! Wer will schon in einen zugefrorenen Mosh-Pit Pogo
tanzen, sich die Eiszapfen aus dem Zickenbart zupfen oder mit dem
Feuerzeug statt Romantik zu erzeugen die Eisschollen in der Bierdose
vertreiben.
Moment! Bierdose? Es gibt ja gar keine Bierdosen mehr, zumindest nicht
ohne Pfand. Und hier stossen wir zum Kern des Unglücks vor. Glasflaschen
sind ja schon länger vom Festivalgelände verbannt, was zum
Wohle der Fusssohlen und der Arbeitsbelastung der Sanitäter auch
sicherlich gut so ist. Daher griff man bisher beherzt ins Supermarktregal
um die eine die andere Pallete, gefüllt mit den unterschiedlichsten
hefebasierten Flüssigkeiten, in den Einkaufswagen zu hieven.
Das Ergebnis waren richtig große Aluminiumberge. Dosen bis zum
Horizont, zerdrückt, gestochen und aufgerissen und vollgeascht.
Aber es war ja Notwehr: "Immer noch besser als Glas auffem Gelände,
wah!?"
Und jetzt? Welche Horrorszenarien kann man sich ausmalen. Schwerstens
tätowierte Metalheads sortieren fein säuberlich ihre geshooteten
Döschen in die Papppalette zurück. 14 Jährige saufen
statt literweise Bier einen Kasten Evian, da man die leeren Dosen
ja vielleicht im Gedränge verlieren könnte. Oder man muss
nächtens Wachen aufstellen, damit der Leere-Dosen-Berg nicht
gekidnapped wird. Da kann man ganz schnell einen Monatslohn verdienen,
da bin ich mir sicher.
Aber was sind die Alternativen? Nüchtern bleiben? Unmöglich.
Fassbier? Zu teuer, zu schnell schaal, nur schwer zu stechen. Tütenwein?
Die Aussichten auf drei Tage "Verschnitt mehrerer europäischer
Spitzenweine" (Werbeaufdruck) stimmt wohl keinen fröhlich.
Leckere Schnapsmischgetränke nach Omas Spezialrezept, abgefüllt
in PET-Flaschen? Naja, einen Tag geht das ja mal...
Sehen wir der Wahrheit ins Auge. Die Festivalsaison ist massiv bedroht,
sinnfälligerweise ging ja erste letzte Woche die Nachricht durchs
Netz, dass das Dynamo dieses Jahr nicht stattfindet. Ich wette, da
hat einer die richtigen Schlüsse gezogen. Obwohl: Gerade in Holland
hätten sich eigentlich noch mehr Belustigungsmöglichkeiten
ergeben. Und deswegen hier auch ein nettes Stefan Raab Zitat als Ratschlag
für die Festivalsaison 2003: "Wir kiffen".
| |
|
| zurück zur Story Übersichtsseite | |
|  | |
|
|