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23.10.2003 P.O.D. |
Oberhausen, König-Pilsener-Arena |
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Es ist derzeit wieder groß in Mode: Die Tour vor der Tour und der
Albumveröffentlichung natürlich. Diese Form des Marketings kannten
schon die Presidents Of The USA, Life of Agony oder die Foo Fighters. In
letzter Zeit häufen sich die Events ein wenig, so dass diese Werbungsform
ein wenig Exklusivität eingebüßt hat. Muse traten ja auch
erst kürzlich vor 450 eingefleischten Fans im Gloria in Köln auf.
Nun also P.O.D, am 3.11. kommt der Nachfolger zum erfolgreichen Debütalbum „Sattelite“,
das der Band so große Hits wie „Alive“ oder „Youth
of the nation“ bescherte. Eingebettet in die Guerilla-Tour der Band
zur Albumveröffentlichung konnte sich der Radiosender Eins Live glücklich
schätzen. Völlig für lau (wie’s bei Promo-Gigs so üblich
ist zahlt man für die Band nix, die Technik muss natürlich gelöhnt
werden) konnte der Branchenprimus seine Hörerschaft mit einem Radiokonzert
beglücken. Eigentlich sollte es das große Geheimkonzert werden.
Da wollte der moderne Jugendsender ein wenig internationale Klasse in das
beschauliche Siegen bringen, genauer gesagt in die Siegerlandhalle, wo normalerweise
Michael und Marianne und die Kastelruther Spatzen sich häufiger ein „Stell
Dich ein“ geben. Doch der fromme Grundsatz „Alles Gute kommt
von oben“ traf an diesem tragischen Mittwoch nicht zu. Teile der Decke
kamen beim Soundcheck der Band runter und fielen in den Zuschauerbereich. „Mission
denied“ aber „Mission Impossible“? Nicht für Eins
Live: Innerhalb kürzester Zeit wurde die König-Pilsener Arena „klar
gemacht“ (ist er nicht frisch, spritzig und en vogue: der Slang des
jungen Radiosenders)! 6000 Zuschauer mehr passen in die große Multifunktionshalle
als in die immerhin auch 3000 Zuschauer fassende Siegerlandhalle. Die Guerilla-Tour
von P.O.D. war folglich dahin und das Geheimkonzert auch. Aber wen stört’ s.
Die Amerikaner konnten schon mal testen wie massenkompatibel die Hits des
neuen Werks sind und der Radiosender hatte zwar kein Geheimkonzert mehr,
dafür aber das größte Radiokonzert in der erst jungen Geschichte
des Senders.
Diese Schubladen ziehen sie gerne auf, um zu demonstrieren,
dass es sich lohnt in Kürze schon wieder einen Euro mehr im Monat an
die GEZ abzudrücken. Da kommt das größte Radiokonzert gerade
recht. Da drei Viertel der Zuschauer aber noch gar keine Rundfunkgebühr
abführen, scheint der Auftrag verfehlt, auch egal wenn es demnächst
regelmäßig Freikonzerte von internationalen Top-Acts gibt dann
zahl ich auch gern einen Euro mehr.
Genug der Gebührendiskussion, rein ins Konzertgeschehen. 21.10 Uhr,
Eins Live Moderator Manuel betrat die Bühne und forderte die Meute
auf: „Gibt mir ein P, gibt mir ein O, gibt mir ein D, wie heißt
die Band, die gleich rockt?“ „POD“ grölten 8000 Kehlen,
wie viele davon wussten, dass die Initialen der Band für „Payable
On Death“ stehen ist nicht bekannt. Die Kalifornier begannen mit neuem
Material, was insofern risikoreich ist, als das die Gefahr virulent ist,
dass die Stimmung so eisig bleibt wie die Temperaturen draußen an
diesem kalten Herbstabend. Doch mit Nichten, das Haus rockte, und das gar
nicht mal schlecht. Es war schon faszinierend einen Mosh-Pit von 3000 Leuten
direkt vor der Bühne zu sehen. 3000 Pogo-Tänzer die nach Erklingen
der ersten Takte total austicken’. P.O.D. hatten den Mob im
Griff. Vergleiche zu Rage Aganist The Machine seien erlaubt. Die Jungs aus
San Diego sind nur pflegeleichter, bestehen nicht auf Verweigerungshaltung,
trinken nicht, nehmen keine Drogen und bekennen sich zu ihrem Glauben. Der
Traum eines jeden Marketing-Managers. Den wird dann auch erfreut haben,
dass die Stimmung auf hohem Level über das gesamte Konzert verharrte:
Da wurde gepogt, gehüpft und geshoutet- zu mindest bei den bekannten
Hits der Band wie „Youth Of The Nation“ oder „Alive“.
21:45 Uhr: Die ersten Hooklines von „Youth Of The Nation“ erklangen
und neben dem Boden vibrierten jetzt auch die Trommelfelle, denn 8000 Kehlen
intonierten den Song als wenn Uwe Lempinsky (Comedian bei Eins Live, Anm.
d. Red.) auf der Bühne stehen würde und zur Karaoke auffordern
würde. Die Refrainzeile kannte sogar der „Ruhrpott-Prolet“,
der eine Reihe vor mir Platz genommen hatte. Der sah so aus, als würde
er normalerweise Scooter hören und am Wochenende reihenweise Leute
vermöbeln. Heute könnte ich ihm eins auf die Zwölfe geben,
aber nee: Pogo auf der Tribüne ist uncool.
P.O.D. werden die ihnen entgegen schwellende Sympathie genossen
haben, nahmen es aber elder statesman like und ließen sich drei Mal über
den Abend verteilt zu einem „You guys are awesome“ hinreißen.
Das is a bisserl unkreativ Herr Sonny! 21:58 Uhr: Es wurde „Alive“ geboten.
Danach gab es noch „Will You?“, die aktuelle Single, dann war
Schluß. 55 Minuten P.O.D. für lau. Einige „Zugabe-Rufe
schallen durch die sich langsam leerende König-Pilsener-Arena, als
der Moderator im pathetischen Ton verkündet, dass wir Teil des größten
Radiokonzerts waren und weiter fragt, ob Eins Live öfters solche Geheimkonzerte
machen sollte. Klar, 1 Euro mehr Grundgebühr für mehr Geheimkonzerte.
Wenn ich den Obolus aber schon mehr abdrücken muss, dann lasst die
Band demnächst aber bitte schön länger als 55 Minuten spielen.
Herr Rausch (Eins Live-Chef, Anm. d. Red.) übernehmen sie.
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