 |
|
|
|  | |
 |  | |  | |
|
|
05.06.2005 The Dissociatives |
Berlin,
Postbahnhof |
 |
|
|
mit: n/a |
|
| |
|
The Dissociatives sind fangfrisch, extrem stylisch und mit
kaum etwas vergleichbar. The Dissociatives sind vor allem Daniel Johns.
Was kann man anderes sagen? Die andere Hälfte, Soundtüftler Paul
Mac, mag zwar das Ass im Hintergrund sein, aber der (Ex-) Frontmann von
Silverchair ist die Messlatte. Die neue Band von Daniel Johns also spielt
(zumindest live) eine Musik, die nicht jedem unbeschränkt zugänglich
sein dürfte. Aber das ist okay. Denn wenn einer auf der Welt den „normalen“ Rockzirkus
satt haben darf, dann schließlich Daniel Johns: Das australische Wunderkind,
bereits im zarten Alter von etwa 15 Jahren den Rock-Olymp erklimmend, als
legitimer Nachfolger von Kurt Cobain gehandelt. Silverchair seine Band,
die einen wuchtigen Sound, großartige Singles und epische Alben hervorbrachte
und, ginge es nach mir, bereits ihren Platz in der Rock’n’Roll
Hall of Fame verdient hätte. Doch Auflösungsgerüchte hin
oder her, ihr charismatischer Songwriter scheint sich gelangweilt zu haben.
Der Trend hatte sich schon auf „Diorama“, dem letzten Album
von Silverchair abgezeichnet. Bereits dieses war ein waghalsiger Seiltanz
auf Grunge-Vergangenheit und 60ies LSD-Trip à la Pet Sounds inklusive
akustischer Halluzinationen. Ohne jede Frage genial, aber für die Ohren
mancher Leute regelrecht unhörbar. Daniel Johns geht mit den Dissociatives
diesen Weg weiter und knüpft an die psychedelischen Klangwandorgien
an. Offene Songstrukturen, wirre Soundkollagen, Harmoniewechsel bis zum
Abwinken, kurzum Mittel, die sich eine normale Newcomer-Band im Popbereich
wahrscheinlich nie leisten könnte. Nun, die Dissociatives können
es. Denn Newcomer sind sie ja wahrlich nicht. Zumindest bei genanntem Daniel
Johns, der buchstäblich die Bühne beherrschte, spürte man
die jahrelange Tourerfahrung. Ebenso die Fähigkeit sich gehen zu lassen.
Wohl ein Befreiungsschlag aus den Konventionen, einer Verantwortung als
Zukunftsträger des Genres und gleichzeitiges Teen-Idol und Mädchenschwarm.
Man spürte auch, dass eine geballte Ladung Kreativität endlich
ein Ventil findet und er es genießt, sich selbst und seine Musik neu
zu erleben. Das Publikum bekam entsprechend viel von ihm um die Ohren. Nicht
dass das Set besonders lange war. Ein neuer Song und das Material ihres
Debüts, aus mehr konnte man nicht schöpfen. Dafür gab es
Daniels markante Stimme, von der man nicht genug bekommen konnte, auch wenn
sich selbst mehrmals gedoppelt und mit schier endlosem Hall durch Effektschleifen
gejagt. Man ging am Ende hinaus, zwar etwas erschlagen von dem Gehörten
und einer Reihe unbeantworteter Fragen. Doch über allen dieser Fragen
im Kopf schwebte eine: Wer eigentlich war noch einmal dieser Kurt Cobain?
| |
|
| zurück zur Live Review Übersichtsseite | |
|  | |
|
|