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18.03.2004 Dashboard
Confessional |
Köln,
Live Music Hall |
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mit: Angelika Express |
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Es gibt Sänger, die keine Augenweide sind, aber durch ihre Stimme faszinieren.
Und es gibt Sänger, die sollten lieber nicht singen - sind auf der
Bühne aber schön anzusehen - und es gibt IHN: Christopher Carrabba.
Dieser Mann lässt nicht nur Frauenherzen höher schlagen, denn
seine Stimme spricht Bände und lässt jedes Herz höher schlagen.
Doch selbst stumm würden ihm wohl noch viele Damen zu Füßen
liegen. Denn dieser Mann ist schön.
Und wenn er singt, dann glänzen seine rehbraunen Augen und seine Zähne
strahlen zwischen zwei entzückenden Grübchen.
Nein, es handelt sich nicht um eine Schlager-Ikone, denn
Christopher Carrabba ist Emo - Star. Das einzige Deutschland-Konzert seiner
Band Dashborad Confessional in der Kölner Live Music Hall ist mit 1300
Zuschauern ausverkauft.
Wir schreiben den 18.März 2004, es ist 20.00Uhr und die Halle füllt
sich. Das Publikum lässt leicht auf Emo schließen, für Getränke
ist gesorgt die besten Plätze sind besetzt. Männlich wie weiblich wartet
auf den neuen Star und seinen einzigen Deutschland - Auftritt.
20..45 Uhr: Das Licht geht aus, Scheinwerfer an, die Vorband betritt die Bühne.
„
Hallo, wir sind Angelika Express, wir freuen uns, dass ihr alle...“ ein
Raunen geht durch die Menge, das Publikum scheint nicht zu wissen, was es erwartet
und wundert sich über die deutsche Sprache. Doch Angelika Express sprechen
nicht nur Deutsch, sie singen auch auf deutsch... das scheint die Anhänger
der english Vocals total zu überfordern.
Schnell wird klar, das Konzert ist ausverkauft, weil man sich auf Dashboard Confessional
freut und bis dahin nichts anderes sehen will.
Das Trio von Angelika Express gibt alles und wer die Männer kennt, weiß dass
sie hartnäckig sind, doch bei diesem Publikum stoßen sie auf Granit.
Nur vereinzelt werden Köpfe im Takt gewippt oder auch Texte mitgesummt.
Der Großteil der Masse steht regungslos und hofft auf ein baldiges Ende.
So sehr sich die Band auch anstrengt, hier springt kein Funke über.
So verabschiedet sich die Band, nassgeschwitzt aber kaum beklatscht mit „Paul
muss sterben“.
Mittlerweile ist es 21.15 Uhr, Zeit um noch mal zu erledigen, was zu erledigen
ist, denn bald kommen Dashboard Confessional und vor allem Christopher Carraba.
Und eine halbe Stunde später, nach etlichen Gitarren-Tests, passiert es:
Er betritt die Bühne. Nur er - und seine Akustik-Gitarre.
Der erste Ton erklingt und die Menge grölt. Vorbei sind die Erinnerungen
an einen Chris gestern bei Stefan Raab, wo er so unbeholfen und unsicher da stand,
sich regelrecht an seiner Gitarre festkrallte, um nichts falsch zu machen.
Doch hier kann er keine Fehler machen, denn hier ist er richtig. Hier stehen
1300 Menschen knapp zwei Meter vor ihm, die nur gekommen sind, um ihn zu sehen.
Und die Menge singt. Sie singt seine Texte.
Mit swiss army romance eröffnet der Künstler solo, wie er es gewohnt
ist, sein Konzert.
„
In den USA wird sein Gesang schon lange gefeiert, doch in Deutschland steht er
noch in den „Startlöchern“, so hieß es in den Kritiken.
Davon ist hier nichts zu bemerken. Denn die Fans lassen sich nur noch durch Chris´ kurze
Ansprachen stoppen. Für das Unplugged - Album 2002 wurde er in New York
entdeckt, weil man von seiner Begeisterungsfähigkeit und der Hingabe der
Fans beeindruckt war. Und die kennt scheinbar keine Grenzen.
Die Masse beherrscht alle seine Lieder und intoniert mit voller Inbrunst.
Der Sänger genießt und schweigt, während sein Publikum für
ihn singt.
Er lächelt - und das ganz allein ist Ansporn genug.
Christopher Carrabba lächelt gerne und viel. Und er kann es sich leisten.
Wie er da oben steht und schmunzelt könnte er der nette Mann von nebenan
sein, den sich wohl jede Mutter als Schwiegersohn wünscht. Und auch seine
Tatoos, die sich über beide Arme in den buntesten Farben erstrecken, würden
sie wohl nicht erschüttern, wenn er ihnen von seinem Leid klagt.
Denn das kann er gut! Der so Glücklichwirkende leidet. Er singt über
Liebe und Einsamkeit, über schöne Frauen, die unerreichbar sind oder
ihn verlassen und verletzen. Melancholie - so schön und ergreifend besungen.
Das Publikum schreit mit ihm.
Mittlerweile ist der Rest der Band- Scott Schoenbeck (Bass) John Lefler (Guitars,
Organs, Piano, Back-Up Vocals) und Mike Marsh (Drums, Percussion, Back-Up Vocal)-
auch auf der Bühne.
Sie sind eher Statisten, begleiten nur, schauen nur phasenweise auf und konzentrieren
sich voll und ganz auf ihre Musik.
Doch was wäre „The good fight“ ohne Drums und Bass. All die
Dramatik um die Frau, die angefleht wird, nicht zu gehen, die Schmerzen die er
erleidet wenn sie den Flur entlang geht.
Bass und Drums scheinen sein Herzzerreißen zu symbolisieren, gebettet in
seiner Stimme, die so ergreifend fleht und Mann und Frau im Raum berührt.
Denn neben den weiblichen Fans, die zwischen Musik und Gesang sicherlich auch
vom Charme des jungen Grundschullehrers angezogen werden, stehen auch Männer
in der ersten Reihe.
Während Chris auf der Bühne sein Innerstes nach außen kehrt,
werden auch harte Jungs, denen man Emotionen gar nicht zutraut, vollkommen mitgerissen.
Der Frontmann sympathisiert mit dem Publikum.
Sein erster Deutschland-Auftritt vor fünf Monaten im Prime Club vor 400
Leuten ist nicht in Vergessenheit geraten - weder bei ihm noch beim Publikum.
In seiner ersten Verschnaufpause erkennt er „seinen Freund vom letzten
Mal“. Er war überzeugt davon, dass er kommt, so verkündet Chris
und winkt ihm zu.
Mit solch spontanen Gesten punktet er bei seinen Anhängern.
Es macht ihm Spaß, auf deren Zurufe einzugehen. Das Publikum wünscht
sich als nächsten Song „The Places You Have Come to Fear the Most”.
Nach kurzer Absprache mit der Band wird die Gitarre gewechselt und los geht’s.
Carrabba mag es, mit dem Publikum zusammenzuarbeiten. Er genießt es, dass
sie Teil seiner Lieder werden und ist überrascht, dass auch die Deutschen
alle seine Lieder kennen. Quer durch den Garten spielt er Songs von älteren
Alben, wie „The Swiss Army Romance“(2000) und „The Places You
Have Come to Fear the Most“ (2001), aber auch von seiner neusten Scheibe „A
Mark, A Mission, A Band, A Scar“(2003) und seinem zukünftigen Tonträger,
der im Mai erscheinen wird, sind Songs dabei.
Mike , Scott und John kommen und gehen und Chris wechselt immer wieder zwischen
Akustik- und Elektrogitarre. Die Fans sind unermüdlich.
John, der heute Geburtstag hat, wird zusätzlich ein Ständchen gebracht.
Doch nach einer Stunde Emotionen pur verabschiedet sich Dashboard Confassional
von der Bühne. Das Publikum kontert mit Zugabe-Rufen und - wie sollte es
anders sein - sie bekommen ihre Zugabe.
Mal wieder ein Solo und mal wieder ein wunderschönes Drama um den Betrogenen,
Verletzten und Verlassenen - “The Best Deceptions”.
Als krönenden Abschluss gibt es dann noch von allen zusammen „hands
down“, worauf wohl alle nur gewartet haben „Dieser Song handelt vom
besten Tag meines Lebens, von daher ist er passend“, schmeichelt Chris
dem Publikum.
Und das Publikum singt.
Insgesamt war es ein gelungenes Konzert und gar nicht
so depri wie es hier anklang. Die Gefühlsaubrüche des Sängers strahlten auch Aggressivität
und vollste Zufriedenheit aus. Selten sieht man Stars, die so in den Himmel
gehoben werden und doch auf dem Boden geblieben sind.
Wer dem Spektakel nicht beiwohnen konnte, weil er keine der 1300 Karten mehr
ergattern konnte, kann sich den Emotionsschub in der Nacht vom 25. auf den
26. April 2004 im WDR ansehen. Doch Vorsicht, auch durch die Mattscheibe ist
man vor Gänsehaut nicht sicher.
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