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03.07.2003 Beth Gibbons & Rustin
Man |
Duisburg, Kraftzentrale
(Traumzeit-Festival) |
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mit: Midnight Choir |
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Es kommt gelegentlich vor, dass Göttinnen aus dem Himmel herabsteigen,
um dem gemeinen Volk beizuwohnen, soweit durch die griechische
Mythologie überliefert.
Im Rahmen des Traumzeit-Festivals war wieder so ein Augenblick.
Welch Anmut, welch Antlitz und welch Glanz im schmutzigen
Duisburg, gar nicht einer Göttin
würdig, als Beth Gibbons und Rustin Man zum Auftakt das Traumzeit-Festival
eröffneten. Zumal sich das 'Himmelsgeschöpf’ Ms Gibbons
samt 'Engel’ Rustin Man mit der Kraftzentrale im Landschaftspark
eine ehemalige Malocherstätte ausgesucht hatte. Eigentlich sollten
die Auftritte beim Hurricane und Southside-Festival die letzten
Auftritte ihrer aktuellen Tour in Deutschland sein, doch
für das Traumzeit-Festival
machten sie eine Ausnahme. 1500 Zuschauer wollten das göttliche Duo
sehen, dass mit multi-instrumentaler Begleitung angereist
war. Im Vorprogramm gab’s die Norweger Midnight Choir. Das Trio, mit
Bass, Piano und Gitarre (ohne Schlagzeug) bewaffnet, erntete
zaghaften Applaus, doch ein Großteil
war wegen dem Hauptact gekommen. Midnight Choir sind vielleicht
mit Kings of Convenience vergleichbar. Der Sound präsentierte sich
gemäß der
Kings’ Devise „Quiet is the new loud“ und wenn sie sich
einer Remix-Kur des Masterminds Erlend Oye unterziehen würden, dann
könnte es was werden. So blieb mein Applaus wie die Regung des Publikums
verhalten.
Ganz anders kamen da Beth Gibbons und Rustin Man daher. Man
merkte ihr an sie ist nicht der Entertainer, sie ist schüchtern. Das
war schon bei Portishead so und hat sich bis heute nicht geändert.
Bitte nicht viel reden, nein, lieber schnell die ersten Takte des ersten
Songs, „Mysteries“. Schon gewonnen, das Auditorium schmilzt
dahin. Hatte uns der Song schon zu Beginn des Debüts „Out of
Season“ verzaubert, so erwies er sich auch in diesem Fall als gelungener
Opener. Die blauen Strahler, die sich um die eigene Achse drehten, erzeugten
das passende Bühnenbild- sehr sphärisch. Beth Gibbons stand im
Zentrum der Bühne. Ehrfürchtig verkrochen sich die Musiker an
den Bühnenrand. Paul Webb aka Rustin Man verblieb auch lieber im hinteren
Teil der Bühne, das Rampenlicht ist auch nicht das Seine. Vielleicht
passen die beiden deshalb so gut zusammen. Weiter im Programm. Es folgte „Romance“ und
danach schon die erste Single „Tom the Model“. Erstaunlich,
dass die Songs in der orchestralen Version erhalten blieben, denn beim 1Live
Radiokonzert im Februar wurde ein Akkustik-Gig geboten. Befürchtungen
einer spärlichen Instrumentierung waren an diesem Abend unbegründet.
Hier wurde vielleicht mal das Tempo angezogen, da ein Song etwas rhythmischer
interpretiert- im Groben blieben die Songs aber in ihrer Urform erhalten,
was sehr angenehm war. Nach 50 Minuten dann der erste Schock: Die Götter
setzten an gen Himmel zu entschwinden. Frenetischer Jubel und „Beth“ -
Rufe konnten sie von diesem Vorhaben abbringen, auch wenn es der Portishead-
Sängerin peinlich war, sie mag das nicht. Aber da hilft nichts, noch
mal auf die Bühne rauf. Erst mal ne Zigarette, Feuer gab’s aus
dem Publikum. Was anderswo wie eine inszenierte Showeinlage gewirkt hätte,
erschien hier als zufällige Begebenheit. Beth Gibbons ist kein fake,
sondern real. Das Publikum war begeistert. Noch ein weiterer Song folgte,
dann war der Auftrag erledigt: 1500 Menschen wurden mit göttlicher
Musik beschallt und im Auftrag ewig guter Musik und Glückseeligkeit
brachen Beth Gibbons und Rustin Man zu neuen Ufern auf. Es war nirgends
Wut über nur 70 Minuten Konzert vorzufinden, sondern frohe Gesichter
mit einem Lächeln auf den Lippen und der Gewissheit heute einem göttlichen
Ereignis beigewohnt zu haben.
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