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Der steinige Weg nach oben.
Wer sich als Band der Punkmusik verschreibt, der weiss von Anfang an: Es wird verdammt schwer, jemals Geld zu verdienen oder wenigstens die Anerkennung zu bekommen, die man vielleicht verdient hat. Da kann man noch so gut, innovativ und voller Power sein. Eine ähnliche Erfahrung machen wohl zur Zeit auch Snitch. Aus der Schweiz stammend treffen sich Sven (Vocals & Gitarre), Luki (Drums) und Louise (Bass) Mitte der 90er und machen PunkRock. Die eine oder andere Veröffentlichung folgt und 2002 kann die Band in Schweden in den Soundlab Studios, wo auch schon Bombshell Rocks oder die Peepshows aufgenommen haben, das neue Album "Genuine" einspielen. Das Ergebnis ist stimming, ein Vertrag in Deutschland würde der Bandkarriere aber noch mehr Schub verleihen. Das gelingt schließlich durch einen Deal mit Wolverine Records. Knapp ein Jahr nach Entstehung der CD kann man auch in Deutschland Snitch im Laden finden. Schwierig bleibt der Weg nach oben aber trotzdem. Die Band hat uns per Email einen Einblick in die aktuelle CD und die weiteren Pläne gegeben.

Story BildPunch: "Genuine" ist bereits 2002 fertig geworden, kommt aber jetzt erst über Wolverine Records nach Deutschland. Woran lag die Verspätung? Wie fühlt ihr euch, wenn ihr mit "altem" Material für Promo etc. unterwegs seid? Seid ihr mit den Gedanken schon bei neuen Stücken?
Snitch: Ja „genuine“ ist auch nicht mehr das allerneuste. Als sie fertig war fanden wir kein Label in Deutschland. Wir wollten sie aber trotzdem in der Schweiz veröffentlichen. Uns war aber klar, dass ein deutsches Label super wäre und wir suchten immer weiter. So kamen wir zu Wolverine Records. Es dauerte zwar ein bisschen, aber dafür haben wir jetzt ein super Label. Da wir bald eine neue CD aufnehmen gehen, ist es schon komisch die „alten“ Songs für Leute zu spielen, für die diese neu sind. Aber wir haben eine gute Setliste, so dass es für uns und auch das Publikum eine gute Mischung ist. Und ausserdem sind wir mit „genuine“ sehr zufrieden und spielen die Songs immer noch gerne.

Punch: Welche Reaktionen habt ihr aus der Schweiz bekommen, besonders von Fans, die euch schon von den älteren Veröffentlichungen kennen? Müsst ihr euch schon mit Vorwürfen auseinandersetzen, die eure älteren Sachen mehr mochten?
Snitch: Ich denke der einzige Vorwurf, den wir aber nicht als solchen betrachten, ist das Tempo. Manche mochten unsere älteren Sachen, die einiges schneller waren mehr, aber das ist schon ok. Man kann es nie allen recht machen und die Reaktionen in der Schweiz sind im Grossen und Ganzen sehr gut.

Punch: Das Album wurde in Schweden aufgenommen. Habt ihr noch Kontakt in den hohen Norden, um z.B. dort zu touren?
Snitch: Kontakt besteht noch. Wir werden jetzt auch Ende Juli bereits wieder nach Schweden gehen, um das nächste Album aufzunehmen. Wir würden natürlich auch sehr gerne dort oben spielen, aber in Skandinavien ist es nicht so toll zu touren. Die Szene ist einfach nicht so, wie man dies von Deutschland oder der Schweiz kennt. Aber wer weiss...

Story BildPunch: Welchen Einfluss hatte der Aufnahmeort für das Album? Bekamen die Songs je nach Studio/Produzent eine andere Färbung oder ein neues Gesicht?
Snitch: Das Studio ist schon sehr entscheidend. Nebst der Individualität des Mischers und dem Equipment, was dem Sound seinen besonderen Stempel aufdrückt, ist es in Schweden so gewesen, dass wir uns 100% auf die Aufnahmen konzentrieren konnten. Wir kannten nur wenige Leute, hatten ein kleines Zimmer, etc. Es drehte sich immer nur um die CD und das war etwas sehr wichtiges für uns.

Punch: Wie geht ihr an ein neues Album heran? Fühlt ihr euch, dadurch dass ihr noch nicht so bekannt seid, weniger unter Druck? Kann das ein Vorteil sein?
Snitch: Das stimmt, wir fühlen uns nicht unter Druck. Wir sind die, die uns am meisten unter Druck setzen. Es ist uns wichtig uns immer zu steigern. Ein Konzept oder so gibt es nicht wirklich, wir wollen einfach unser Bestes geben und gehen nicht mit dem Gedanken daran, ein Album zu schreiben. Wenn wir lust haben einen Song zu schreiben und gerade in der Stimmung sind, tun wir das auch.

Punch: Ich finde, euer MusikStil hat ein erfrischendes, deutliches Übergewicht auf Rock, statt auf Punk. Im Gegensatz zu den u.s.cali-bands rollen eure Stück wesentlich schwergängiger und melancholischer durch die Boxen. Würdet ihr sagen, dass das eine europäische Spezialität ist? Oder ist das für euch persönlich einfach Evolution in eurem Stil?
Snitch: Das ist ziemlich genau das, was wir wollen. Snitch ist grundsätzlich eine Punkband, wir versuchen unseren Sound ein bisschen zu erweitern. Ich weiss nicht, ob es europäisch ist. Uns ist es wichtig alle Stilrichtungen, die wir mögen (und das ist weit mehr, als nur Punk) zu einem individuellen Sound zu vereinen. Dies macht dann wohl auch den Unterschied zu anderen Punkbands aus. Es ist einfach Snitch.

Story BildPunch: "Just Wait", auch weil er vom Tempo ordentlich losgeht, finde ich einen besonders starken Song auf dem Album. Habt ihr selber Lieblingssongs auf "Genuine" und auf welche sollte der Hörer "besonders" achten?
Snitch: Die Frage ist immer schwer, aber wir haben schon gewisse Lieblingsstücke. Zu denen gehören vor allem „Game Over“ oder „Down in Flames“. Eigentlich lieben wir alle Stücke. Etwas besonderes kriegt man, wenn vor dem ersten Song (Longest Days) etwa 1:20 zurück gespult wird.

Punch: Wie schwierig schätzt ihr die momentane Situation für eine aufstrebende Punkband ein, mehr Größe zu gewinnen? Ich stand beispielsweise selbst bei Konzerten von Strung Out oder Pulley mit 40-50 Personen im Publikum. Eigentlich eine Schande ...
Snitch: Die Situation zur Zeit ist sehr schwer, da es beinahe unendlich viele Bands gibt und entsprechend viele Shows. Es ist nicht mehr so was besonderes, selbst grössere Bands haben manchmal das Problem unterzugehen, weil sie entweder einfach wieder eine neue CD rausbringen, die klingt wie die zehn Alben zuvor oder Live langweilig sind und trotzdem jedes Jahr kommen. Wir versuchen unser Bestes, alles richtig zu machen und schätzen jede einzelne Person, die an ein Konzert kommt oder die CD kauft. Es gibt kein 100% Rezept für Erfolg.

Punch: Was treibt ihr, wenn ihr nicht für Snitch unterwegs seid? Wie vernetzt ist euer Punkrockleben mit dem Alltag?
Snitch: Sven und Luki arbeiten in Zürich in einem Club und Louise hat gerade einen Job in einem Kino begonnen.

Punch: Ihr spielt auf der Popkomm beim Muttis Tourbooking Showcase in Köln. Erwartet ihr euch von der Messe einen neuen Schub für die Band?
Snitch: Wir wissen nicht so genau, was uns erwartet. Wäre schön, wenn sich für die Band irgendetwas Neues ergeben würde. Ansonsten hoffen wir einfach, dass es ein gutes Konzert wird.

Story BildPunch: Ihr habt vor ein paar Wochen hier in Düsseldorf ein Konzert mit den Peepshows gespielt (wo ich leider nicht da war). Wie ist es gelaufen? Wie kam es zu dem einzelnen Konzert? Oder wart ihr sowieso unterwegs?
Snitch: Mit den Peepshows waren es zwei Konzerte. Einerseits sind sie auch bei MuttisBookingBüro und andererseits ist Wolverine Records in Düsseldorf zu Hause. Da wir die Peepshows auch schon von Schweden ein wenig kannten, dachten wir, es wäre cool diese Konzerte zu spielen. Und obwohl es nicht wirklich viele Leute an den Shows gab, hatten wir viel Spass und es waren zwei coole Konzerte.

Punch: Ihr seid eine der wenigen PunkBands, die auch ein weibliches Mitglied haben. Woran liegt es, dass Frauen weniger Zugang finden zu diesem Musikstil?
Snitch: Keine Ahnung. Für uns kam diese Frage überhaupt nie auf. Wir sind glücklich darüber, da es wieder etwas ist, dass uns spezieller macht. Aber es wäre cool, wenn mehr Frauen in Punkbands spielen würden.

Punch:Louise singt nicht, obwohl viele Bands den Vorteil einer weiblichen (Background)stimme nutzen, um dem Gesang eine zusätzliche Facette zu verleihen. Habt ihr daran schonmal gedacht oder ausprobiert?
Snitch: Mittlerweile singt sie Backups.

Punch: Wie geht ihr mit Klischees um, die gerne benutzt werden, um eine Band zu charakterisieren oder einzuordnen? Ich meine damit erstens das Thema "Schweiz und Punkrock" und "Frauen in einer Punkband"?
Snitch: Prinzipiell halten wir nicht viel von Klischees. Aber diese zwei Beispiele sind gerade sehr lustig. Es klingt, als ob diese Paarungen nicht zusammen passen, aber dadurch, dass wir eine schweizer Punkband mit Frau sind, kriegen wir viel positive Resonanz. Genau deshalb, weil wir nicht ganz so typisch sind.

Story BildPunch: Wie wichtig ist für euch der Deal mit Wolverine Records? Bricht damit eine neue Ära für Snitch an?
Snitch: Dieser Deal ist extrem wichtig. Nun macht es Sinn, vermehrt in Deutschland zu spielen, weil man die CD dort jetzt auch kaufen kann. Ausserdem spielen wir sehr gerne in Deutschland und Sascha von Wolverine macht auch einen sehr guten Job, indem er sich für uns wirklich den Arsch aufreisst. Das schätzen wir sehr.

Punch: Habt ihr schon neues Material im Auge oder konzentriert ihr euch erstmal auf den Support von "Genuine"?
Snitch: Auf der einen Seite werden wir, wie gesagt, bald ein neues Album aufnehmen, aber danach werden wir wieder „Genuine“ vor allem in Deutschland versuchen an den Mann zu bringen. Und irgendwann wird dann das n ächste Album rauskommen.

Punch: Was steht für Snitch in 2003 ansonsten an?
Snitch: CD-Aufnahmen, Konzerte und Weihnachten.



meyer@punch-fanzine.de
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Externe Links:
Snitch Online:
www.snitch.ch
Wolverine Records Website:
www.wolverine-records.de
Interne Links:
CD Review:
Snitch: "Genuine"