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Punch: "Genuine" ist
bereits 2002 fertig geworden, kommt aber jetzt erst über
Wolverine Records nach Deutschland. Woran lag die Verspätung? Wie fühlt
ihr euch, wenn ihr mit "altem" Material für Promo etc. unterwegs
seid? Seid ihr mit den Gedanken schon bei neuen Stücken?
Snitch: Ja „genuine“ ist auch nicht mehr das allerneuste.
Als sie fertig war fanden wir kein Label in Deutschland. Wir wollten sie
aber trotzdem in der Schweiz veröffentlichen. Uns war aber klar, dass
ein deutsches Label super wäre und wir suchten immer weiter. So kamen
wir zu Wolverine Records. Es dauerte zwar ein bisschen, aber dafür haben
wir jetzt ein super Label. Da wir bald eine neue CD aufnehmen gehen, ist
es schon komisch die „alten“ Songs für Leute zu spielen,
für die diese neu sind. Aber wir haben eine gute Setliste, so dass es
für uns und auch das Publikum eine gute Mischung ist. Und ausserdem
sind wir mit „genuine“ sehr zufrieden und spielen die Songs immer
noch gerne.
Punch: Welche Reaktionen habt ihr aus der Schweiz
bekommen, besonders von Fans, die euch schon von den älteren Veröffentlichungen kennen?
Müsst
ihr euch schon mit Vorwürfen auseinandersetzen, die eure älteren
Sachen mehr mochten?
Snitch: Ich denke der einzige Vorwurf, den
wir aber nicht als solchen betrachten, ist das
Tempo. Manche mochten unsere älteren Sachen, die einiges
schneller waren mehr, aber das ist schon ok. Man kann es nie
allen recht machen und die Reaktionen in der Schweiz sind im
Grossen und Ganzen sehr gut.
Punch: Das Album wurde in Schweden aufgenommen. Habt ihr noch Kontakt
in den hohen Norden, um z.B. dort zu touren?
Snitch: Kontakt besteht noch. Wir werden
jetzt auch Ende Juli bereits wieder nach Schweden
gehen, um das nächste Album aufzunehmen. Wir würden
natürlich auch sehr gerne dort oben spielen, aber in Skandinavien
ist es nicht so toll zu touren. Die Szene ist einfach nicht
so, wie man dies von Deutschland oder der Schweiz kennt. Aber
wer weiss...
Punch: Welchen Einfluss hatte der Aufnahmeort für das Album?
Bekamen die Songs je nach Studio/Produzent eine andere Färbung
oder ein neues Gesicht?
Snitch: Das Studio ist schon sehr entscheidend. Nebst der
Individualität des Mischers und dem
Equipment, was dem Sound seinen besonderen Stempel aufdrückt,
ist es in Schweden so gewesen, dass wir uns 100% auf die Aufnahmen
konzentrieren konnten. Wir kannten nur wenige Leute, hatten ein
kleines Zimmer, etc. Es drehte sich immer nur um die CD und das
war etwas sehr wichtiges für uns.
Punch: Wie geht ihr an ein neues Album heran? Fühlt ihr
euch, dadurch dass ihr noch nicht so bekannt seid, weniger unter
Druck?
Kann das ein Vorteil
sein?
Snitch: Das stimmt, wir fühlen uns nicht unter Druck. Wir sind die,
die uns am meisten unter
Druck setzen. Es ist uns wichtig uns immer zu steigern. Ein Konzept
oder so gibt es nicht wirklich, wir wollen einfach unser Bestes
geben und gehen nicht mit dem Gedanken daran, ein Album zu schreiben.
Wenn wir lust
haben einen Song zu schreiben und gerade in der Stimmung sind,
tun wir das auch.
Punch: Ich finde, euer MusikStil hat ein erfrischendes,
deutliches Übergewicht
auf Rock, statt auf Punk. Im Gegensatz zu den u.s.cali-bands
rollen eure Stück wesentlich schwergängiger und melancholischer
durch die Boxen. Würdet ihr sagen, dass das eine europäische
Spezialität
ist? Oder ist das für euch persönlich einfach Evolution in eurem
Stil?
Snitch: Das ist ziemlich genau das, was wir wollen. Snitch
ist grundsätzlich eine Punkband,
wir versuchen unseren Sound ein bisschen zu erweitern. Ich
weiss nicht, ob es europäisch ist. Uns ist es wichtig alle Stilrichtungen,
die wir mögen (und das ist weit mehr, als nur Punk) zu einem individuellen
Sound zu vereinen. Dies macht dann wohl auch den Unterschied
zu anderen Punkbands aus. Es ist einfach Snitch.
Punch: "Just Wait", auch weil er vom Tempo ordentlich losgeht,
finde ich einen besonders starken Song auf dem Album. Habt
ihr selber Lieblingssongs auf "Genuine" und auf welche sollte
der Hörer "besonders" achten?
Snitch: Die Frage ist immer schwer, aber wir haben schon
gewisse Lieblingsstücke. Zu denen gehören vor allem „Game Over“ oder „Down
in Flames“. Eigentlich lieben wir alle Stücke. Etwas besonderes
kriegt man, wenn vor dem ersten Song (Longest Days) etwa 1:20 zurück
gespult wird.
Punch: Wie schwierig schätzt ihr die momentane Situation für
eine aufstrebende Punkband ein, mehr Größe zu gewinnen? Ich
stand beispielsweise selbst bei Konzerten von Strung Out oder
Pulley mit 40-50 Personen im Publikum.
Eigentlich eine Schande ...
Snitch: Die Situation zur Zeit ist sehr schwer, da es
beinahe unendlich viele Bands gibt und
entsprechend viele Shows. Es ist nicht mehr so was besonderes,
selbst grössere Bands haben manchmal das Problem unterzugehen, weil
sie entweder einfach wieder eine neue CD rausbringen, die klingt
wie die zehn Alben zuvor oder Live langweilig sind und trotzdem jedes Jahr
kommen.
Wir versuchen unser Bestes, alles richtig zu machen und schätzen jede
einzelne Person, die an ein Konzert kommt oder die CD kauft.
Es gibt kein 100% Rezept für Erfolg.
Punch: Was treibt ihr, wenn ihr nicht
für Snitch unterwegs seid? Wie vernetzt
ist euer Punkrockleben mit dem Alltag?
Snitch: Sven und Luki arbeiten in Zürich in einem Club und Louise
hat gerade einen Job in einem Kino begonnen.
Punch: Ihr spielt auf der
Popkomm beim Muttis Tourbooking Showcase in Köln.
Erwartet ihr euch von der Messe einen neuen Schub für
die Band?
Snitch:
Wir wissen nicht so genau, was uns erwartet. Wäre schön, wenn sich
für die Band irgendetwas Neues ergeben würde. Ansonsten hoffen wir
einfach, dass es ein gutes Konzert wird.
Punch: Ihr habt vor ein paar Wochen hier in
Düsseldorf ein Konzert mit den
Peepshows gespielt (wo ich leider nicht da war). Wie ist es
gelaufen? Wie kam es zu dem einzelnen Konzert? Oder wart ihr sowieso
unterwegs?
Snitch: Mit den Peepshows waren es zwei Konzerte. Einerseits sind sie auch bei
MuttisBookingBüro und andererseits ist Wolverine Records in Düsseldorf
zu Hause. Da wir die Peepshows auch schon von Schweden ein wenig kannten, dachten
wir, es wäre cool diese Konzerte zu spielen. Und obwohl es nicht wirklich
viele Leute an den Shows gab, hatten wir viel Spass und es waren zwei coole Konzerte.
Punch: Ihr
seid eine der wenigen PunkBands, die auch ein weibliches Mitglied haben. Woran
liegt es, dass Frauen weniger Zugang finden zu diesem Musikstil?
Snitch: Keine Ahnung. Für uns kam diese Frage überhaupt nie auf. Wir
sind glücklich darüber, da es wieder etwas ist, dass uns spezieller
macht. Aber es wäre cool, wenn mehr Frauen in Punkbands spielen würden.
Punch:Louise
singt nicht, obwohl viele Bands den Vorteil einer weiblichen (Background)stimme
nutzen, um dem Gesang eine zusätzliche Facette zu verleihen. Habt
ihr daran schonmal gedacht oder ausprobiert?
Snitch: Mittlerweile singt sie Backups.
Punch: Wie geht ihr mit Klischees um, die gerne benutzt werden, um eine
Band zu charakterisieren oder einzuordnen? Ich meine damit
erstens das Thema "Schweiz
und Punkrock" und "Frauen in einer Punkband"?
Snitch: Prinzipiell halten wir nicht viel von Klischees.
Aber diese zwei Beispiele sind gerade sehr lustig. Es klingt, als
ob diese Paarungen nicht zusammen passen, aber dadurch, dass
wir eine schweizer Punkband mit
Frau sind, kriegen wir viel positive Resonanz. Genau deshalb,
weil wir nicht ganz so typisch sind.
Punch: Wie wichtig ist für euch der Deal mit Wolverine Records? Bricht damit
eine neue Ära
für Snitch an?
Snitch: Dieser Deal ist extrem wichtig. Nun macht es Sinn, vermehrt
in Deutschland zu spielen, weil man die CD dort jetzt auch kaufen kann.
Ausserdem spielen wir sehr gerne in Deutschland und Sascha von Wolverine
macht auch einen sehr guten Job, indem er sich für uns wirklich den
Arsch aufreisst. Das schätzen wir sehr.
Punch: Habt ihr schon neues
Material im Auge oder konzentriert ihr euch erstmal auf den Support von "Genuine"?
Snitch: Auf der einen Seite werden wir, wie gesagt, bald ein
neues Album aufnehmen, aber danach werden wir wieder „Genuine“ vor
allem in Deutschland versuchen an den Mann zu bringen. Und irgendwann wird
dann das n ächste
Album rauskommen.
Punch: Was steht für Snitch in 2003 ansonsten an?
Snitch: CD-Aufnahmen, Konzerte und Weihnachten.
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