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"Gesunde musikalische Orientierungslosigkeit"
Seit kurzer Zeit steht das neue SAS Album "Rotlicht" in den Läden und dürfte bei Altfans und Neuhörern gleichermaßen erstaunte Gesichtsausdrücke produzieren. Denn egal ob man bereits zu "Gegen den Strom"-Zeiten ins Surgefahrwasser geraten oder erst mit dem "Surge-Effekt" mit der Band in Berührung gekommen ist, die neue CD ist anders. Gradlinigkeit und ein gewisses Desinteresse an Trends und Popkonventionen kann man heraushören. Und dann steht da ja noch eine Livetour an, die in diesen Tagen startet und das neue Songmaterial umzusetzen haben wird. Allerhand Stoff also, über den man sich unterhalten konnte. Nachdem das Phonerinterview geplatzt war, beantworteten Such A Surge die drängendsten Fragen per EMail.!
Story BildPunch: Hattet ihr einen "Masterplan" für "Rotlicht" bzgl. Soundvorstellungen oder Songs?
SAS: Wenn es einen gab, dann war es der, dass die Songs im Studio entstehen sollten. Wir wollten spontaner an die Sachen gehen ohne ein halbes Jahr an manchen Songs zu arbeiten. Es sollte eine Momentaufnahme sein. Wir waren es leid, ins Studio zu gehen und dort Songs aufzunehmen die für uns schon alt waren. Es war auch gut so wie es dieses Mal lief. Das komplette Album ist in einem Zeitraum von 4 Wochen geschrieben und so waren zum Zeitpunkt der Aufnahmen alles frisch und fühlte sich einfach besser an.

Punch: War es ein "einfaches Album"? Ich meine damit die oft zu hörende Ansicht, dass z.B. das zweite Album einer Band sehr schwierig und konfliktbehaftet ist, da man mehr und neuen Druck verspürt.
SAS: Ja... es war ein sehr einfaches Album. Wir haben uns geöffnet und ließen uns gehen und sind auch noch Monate nach den Aufnahmen damit zufrieden. Wir haben es uns nicht immer so einfach gemacht wie bei "Rotlicht" und hatten wahrscheinlich auch eine Menge Glück, dass solch ein gutes Album daraus entstanden ist.

Story BildPunch: Die neuen Songs erscheinen auch bei mehrmaligem Durchhören immer einem bestimmten Muster zu folgen. Man könnte die deutlichen Ausreisser in Tempo/Stil nach oben oder unten vermissen, die die Alben vorher durchzogen haben. Habt ihr jetzt euren Stil endgültig gefunden? Oder habt ihr die verschiedenen Musikrichtungen einfach in eure Nebenprojekte "ausgelagert" ?
SAS: Wir finden es sehr gut, dass man die Platte durchhören kann, ohne aus einem bestimmten Gefühl gerissen zu werden, welches das auch immer sein mag. Trotzdem ist das jetzt auch wieder nicht unser festgelegter Stil und es kann gut sein, dass es auch wieder in andere Richtungen gehen wird. Wir versuchten schon immer unsere Musik in Bewegung zu halten um nicht selbst das Interesse zu verlieren an dem was wir machen. Es ist sozusagen eine gesunde musikalische Orientierungslosigkeit.

Story BildPunch: "Rotlicht" kam mir von der Produktion sehr "dick" und warm vor, gleichzeit im Songwriting sehr aufgeräumt. Stimmt ihr da zu?
SAS: Ja absolut... schön, dass du das so siehst. So sollte es sein.

Punch: Das Artwork wirkt auf mich distanziert aber ausdrucksstark. Ihr seid nur als stilisierte Figuren im Booklet zu sehen. War das Artwork so geplant oder ist es einfach entstanden?
SAS: Das Artwork hat ein Freund von uns gemacht und als wir ihn fragten, ob er das für uns macht, war uns klar, dass es ein ganz anderes Cover als alle die wir bisher hatten, werden würde. Insofern war es ein bisschen geplant, ja. Wir wollten, dass auch er sich künstlerisch auslebt und waren auch begeistert von dem Ergebnis. Es hätten einfach keine Hochglanzfotos in dieses Artwork gepasst. Es ist schon schlimm genug, dass man so was immer für die Presse macht. Wir sind halt keine Models sondern Musiker und es ist echt schwer Fotos zu machen die nicht so posermäßig rüberkommen. Wir sehen gezeichnet besser aus.

Punch: Wer Surge kennt der weiß, dass ihr einen recht eigenständigen Stil habt. Schaut ihr euch trotzdem vor einer neuen CD mal links und rechts um, was die Konkurrenz so macht?
SAS: Nein eigentlich nicht. Es sind nach wie vor eher Bands die man auf dem ersten Blick wohl nie mit uns in Verbindung bringen würde, wie z.B. Sonic Youth oder Radiohead die uns beeinflussen und inspirieren. Im übrigen haben wir auch keine Konkurrenz.

Story BildPunch: Ich denke dabei in erster Linie an die vielen NewMetal-Kapellen aus den USA, die in 2001/2002 viel Einfluß hatten. Sei es LimpBizkit oder LinkinPark. Im Prinzip wart ihr mit euren Stilmix Rap,Metal,etc. ja diesen Bands schon 10 Jahre voraus. Stimmt ihr da zu? Oder wo gibt es Unterschiede? Ärgert euch das?
SAS: Nein das ärgert uns nicht. Wir haben weder Metal oder Rap erfunden, und es gab ja damals auch schon solche Bands wie z.B. Rage, Urban Dance Squad oder die Beasties. Es gibt eben Bands die gutes, neues Zeug machen und es gibt aber aucheine Menge schlechtes. Das ist eine reine Geschmacksache. Wir haben mit dem Lebensgefühl welches Limp Bizkit verkörpert soviel zu tun wie mit dem von Puff Daddy, nämlich genau überhaupt nix. Wir leben ein völlig anderes Leben und sprechen also auch über andere Sachen.

Punch: Hat sich eure Pressearbeit mit dem neuen Album verändert und in welche Richtung? Man konnte sehr viele Stories in InternetMagazinen lesen, dagegen weniger "große Geschichten" im TV oder in Printmagazinen (ausser "Visions")!? Ist das eine natürliche Entwicklung? Oder eine Reaktion auf die Ablehnung z.B. bei den Musiksendern (wie ihr ja in Visions berichtet hattet)?
SAS: Wie schon gesagt... das neue Album scheint wesentlich unkommerzieller als das letzte zu sein und die Zeiten haben sich halt einfach sowieso geändert. Die Pressearbeit hat sich aber im Wesentlichen nicht so sehr geändert. Wir geben immer noch viele Interviews und waren ehrlich gesagt nie so scharf darauf bei Interaktiv zu sitzen. Surge wird wieder eine kleinere Band werden und wir werden sehen, was das mit uns macht.

Punch: Wie läuft die Vorbereitung auf die Tour?
SAS: Wir haben natürlich viel geprobt die letzten Tage und versucht, ein gutes Set zusammenzustellen. Auch die Tatsache, dass wir dieses Mal noch einen Gast an Percussions dabei haben erfordert natürlich einige
Proben. Das wird echt abgefahren, denn für uns ist es das erste Mal überhaupt das wir live mit einem Gastmusiker arbeiten.

Story BildPunch: In welcher Dimension spielt sich die jetzige Tour ab bezüglich Dauer und Größe der Clubs im Vergleich zu früheren Touren?
SAS: Zum Teil werden die Clubs kleiner sein aber es wird auch Shows geben wie z.B.: Chemnitz, München, Berlin oder Hamburg wo wir wieder in den gleichen Clubs spielen in denen wir schon immer waren, weil wir uns dort einfach wohl fühlen. Ob wieder so viele Leute kommen werden wie zu Zeiten von "Surge Effekt" bezweifele ich eher, denn die neue Platte ist längst nicht so kommerziell wie die letzten. Die Vorverkaufszahlen der Tour sowie die Album Charts sprechen auch eine andere Sprache; das ist zwar schade, aber Hauptsache wir haben noch Spass egal ob vor 800 oder
nur 400 Leuten.

Punch: Habt ihr schon Vorstellungen von den Zuschauerreaktionen auf die neuen Songs? Macht ihr euch dazu Gedanken und welche?
SAS: Ich bin natürlich sehr gespannt, welche Songs gut und welche schlecht ankommen werden, aber zu viele Gedanken machen wir uns jetzt noch nicht darum. Uns ist erst mal wichtig, eine gute Show zu spielen und dann werden wir ja sehen, wie die neuen Songs angenommen werden. Wir spielen ja auch nicht nur neues Zeug und so werden auch die Old School Fans nicht enttäuscht sein.

Punch: Ich hatte irgendwo gelesen, dass ihr bei euch zuhause in Braunschweig ein erstes Konzert ausserhalb der Tour gegeben habt. Wie waren da die Reaktionen? Wie fühlte es sich an, wieder auf der Bühne zu stehen?
SAS: Das war cool !!! allerdings auch für uns nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was da noch kommt. Es war ein großes Festival mit vielen Bands. 8000 Zuschauer waren da und leider hatten wir 30 Min. Zeit. Das ist nicht viel wenn man erst so nach 20 Min. sein Lampenfieber vergessen hat und richtig warm wird. Wir haben nur 2 neue Songs gespielt und die Reaktionen darauf waren sehr gut.

Story BildPunch: Was ist weiteres für 2003 geplant? Wird es Festivalauftritte geben?
SAS: Wir haben letztes Jahr bei fast allen großen Festivals auf den Hauptbühen gespielt und dieses Jahr wird es schon wesentlich weniger sein. Die Platte ist halt nicht so durchgestartet wie der "Surge Effekt" und man braucht einfach eine gute Chartposition, um auf solchen Bühnen spielen zu dürfen. Wir werden aber schon fast jedes Wochenende im Sommer irgendwo zu sehen sein. Halt nur nicht mehr bei Rock Am Ring sondern z.B.: beim "Taubertal Festival". Hauptsache ist "on the road " zu sein.

meyer@punch-fanzine.de
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Externe Links:
Such A Surge Online:
www.suchasurge.de
Surge Music Website:
www.surge.de
SAS FanClub:
www.surgeclub.de
Interne Links:
CD Review:
Such A Surge: "Rotlicht"
Live Review:
Such A Surge: Köln, Prime Club 27.03.2003