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"We are an american-kind of ugly"
Die Menschen sind schwer zu verstehen. Da gastiert eine der eigenständigsten und kraftvollsten Cali-Punkbands im Rhein-Ruhrgebiet und es erscheinen zum Konzert max. 100 Kids. Anscheined war das auf dieser Tour aber die Ausnahme, wenn man Berichten aus anderen Städten Glauben schenken darf.
Und auch für Punch war sowieso vorher klar, dass ein Interview her musste, auch wenn das aktuelle Album schon seit 1 1/2 Jahren in den Läden steht und die Band bereits Ende letzten Jahres Deutschland mit einem Besuch erfreut hatte. So konnte man den Blick auf die laufende Tour, den Irakkrieg und in die Zukunft richten. Und die sieht durchaus rosig aus, wie uns die Band im Tourbus bestätigen konnte. Vollzähligkeit bis auf Bassist Tyler, der noch eine Runde schlief, war angesagt, so dass im Stimmengewirr die einzelnen Gesprächsteilnehmer leider nicht mehr zu identifizieren sind. Sorry dafür, aber lest selber!
Story BildPunch: Wie läuft die Tour?
Pulley: Die Tour läuft gut. Wir haben in England ein paar Shows gemacht, die nicht eingeplant waren. Es kamen ein paar Leute vorbei. Die Leute die kamen hatten glaube ich eine gute Zeit und die Reaktionen waren auch gut.

Punch: Wie kommt es, dass ihr so bald wieder hier seid in Europa?
Pulley: Nach der Tour mit NUFAN und den Festivalshows mit NOFX fanden wir dass wir so schnell wie möglich wiederkommen sollten ohne zuviel Zeit zu verlieren. Um den Leuten im Gedächtnis zu bleiben, damit sie wissen, dass es uns noch gibt. Und außerdem wollten wir gerne als Headliner widerkommen und nicht nur als Supportband.

Punch: Auch ohne dass ihr ein neues Album draussen habt?
Pulley: Naja, das ist eigentlich unsere erste Tour zum letzten Album wo wir Headliner sind.

Punch: Sind auf dieser Tour mehr Leute bei den Shows als bei der letzten Tour?
Pulley: Das ist schwer zu sagen, weil das ja die NUFAN Tour war und die sind hier wirklich stark.

Punch: Wie wichtig ist Deutschland für euch, wenn ihr in Europa toured? In England spielt ihr auf dieser Tour ja auch viele Shows.
Pulley: Ungefähr so wie England. Im Vergleich zu Frankreich kann man hier in Deutschland 20 Shows spielen und in Frankreich nur 2. Diesmal sind wir aber nicht in Frankreich.

Story BildPunch: Fällt euch ein Unterschied auf zwischen euopäischen Punkbands und amerikanischen was z.B. das Aussehen angeht?
Pulley: Bei uns gehts nicht um ein Fashion-Statement. Wir sind hässlich. "We are an american-kind of ugly."

Punch: Wie seht ihr die Unterschiede im Bereich Professionalität auf der Bühne?
Pulley: Wir trinken natürlich auch, allerdings meisten nach dem Konzert. Wir brauchen keinen Alkohol um schlecht zu spielen. (lacht). Wir wollen am Abend einfach nur so tight spielen wie es geht. Wenn du 6000 Meilen fliegst und steckst so viel Zeit und Geld und Anstrengung in diese Sache und dann willst du dich auf der Bühne nicht wie ein Arschloch aufführen, sondern du willst die beste Performance abliefern die du drauf hast. Es ist doch besser wenn die Leute bei deinem nächsten Konzert vorher erzählen dass du gut warst und nicht dass die Leute sagen die Band war schlecht, besoffen und hat sich nicht fürs Publikum interessiert. Manchmal bemühen wir uns vielleicht auch zu sehr perfekt zu sein.

Bei einem Konzert auf dieser Tour kam jemand zu Scott und hat erzählt: "Bei eurer letzten Tour wart ihr bullshit!"

Punch: Wie sieht es im Studio aus? Ist euch da Professionalität ebenfalls wichtig?
Pulley: Ja, wir wollen es besonders "tight" hinbekommen.

Punch: Was hört ihr persönlich für Musik?
Pulley: Oh eine Menge Indie, z.B. "At The Drive In". Eigentlich kein Punkrock. Das langweilt mich ein wenig. Naja, es gibt eine Menge gute Punkbands, aber zur Zeit höre halt lieber eher verrückte Sachen.

Story BildAchja. Was ich noch zum Thema Sound auf der Bühne sagen wollte. Manchmal bekommen die Leute eine falsche Vorstellung von deiner Band, weil die PA schlecht ist oder die Akkustik des Clubs. Manchmal funtioniert es halt und manchmal nicht. Es kommt einfach drauf an wie der Club gebaut ist, manchmal hast du einfach zu viel Hintergrundgeräusche oder Echos, die dann Feedbackprobleme auslösen. Vor ein paar Tagen haben wir an einem Ort gespielt, wo du nur den puren Sound der PA, des Schlagzeugs und der Verstärker gehört hast. Manchmal kannst du aber noch nichtmal dein eigenes Instrument hören. In einer anderen Stadt haben wir in einem Bunker gespielt und das war einfach nur frustrierend. Die Drums waren selbst ohne Mikros superlaut. Und diesmal haben wir auch unseren Soundtechniker nicht dabei, das hilft normalerweise sehr viel. Einer der weiss wie du klingst und wie er dich abmixen muss bei einer Liveshow.

Punch: Was für einen Background habt ihr, kommt ihr aus einer speziellen Szene?
Pulley: Eigentlich gehören wir zum richtigen California-Punkrock-Klischee.

Punch: Wann ging das für euch los?
Pulley: Man könnte fast sagen: Schon als es mit Punkrock insgesamt losging in den USA und dann in L.A. ankam und wir damit in Berührung kamen. Nenn es einfach Evolution. Bands wie NOFX oder Bad Religion hatten einen großen Einfluß auf diese Evolution, die letztlich dazu führte, dass Punkrock einem größeren Publikum zugänglich wurde ...

Du weichst der Frage aus!

Wie war nochmal die Frage?

Punch: Wie sah das bei euch persönlich aus. Wie seid ihr zum Punkrock und in die L.A. Musikszene gekommen?
Pulley: Hm, wir haben eigentlich alle vorher Rockmusik gehört, Kiss, Led Zeppelin, AC/DC, solche Bands halt. Ich hab mit Musik eigentlich erst angefangen als ich auch mit Punkmusik in Berührung kam.

Story BildPunch: Welche Fortschritte habt ihr gemacht und welchen Einflüssen wart ihr ausgesetzt?
Pulley: Bad Religion ist unser größter Einfluss, ganz sicher. Wir haben aber auch Pennywise oder NOFX gehört oder The Offspring. Eigentlich Bands die viel Melodie in ihrer Musik hatten. Definitiv haten auch die Descendents oder Social Distortion großen Einfluss. Songs mit Melodien, die aber früher nicht als 'hardcore' genug empfunden wurden ...

Eigentlich ist es egal, was die Leute sagen. Wir sind schließlich schon seit 20 Jahren dabei. Wenn ich mit Musik Geld machen wollte hätte ich vor 10 Jahren schon aufhören müssen.

Punch: Habt ihr euch schon mal Gedanken gemacht, wie lange ihr noch bei der Musik bleiben wollt?
Pulley: Hey, auf Tour gehen ist für mich Ferien zu haben. Wir müssen uns nur vielleicht etwas anpassen und es uns gemütlicher machen, dann gehen wir bestimmt noch mit 60 oder 70 auf Tour haha.

Punch: Wie siehts mit einem neuen Album aus? Habt ihr da schon Ideen im Kopf?
Pulley: 'Total-Radio-Commercial'! (Gelächter - man hatte sich vorher über das leidige Thema Kommerzialisierung des Punk und alles was dazu gehört unterhalten ...). Nein, es sind schon 11 Songs geschrieben und wir werden im September ins Studio gehen. Das ist auch schon fest gebucht.

Punch: Wie geht ihr an ein neues Album ran? Schreibt ihr erst einen Haufen Songs und sucht dann die Besten aus, so wie das viele Bands machen?
Pulley: Wir schreiben so viele Songs wie wir können, so viele gute Songs wie wir können, mit denen jeder in der Band glücklich ist. Und wenn zum Schluß alle Songs fertig sind dann suchst du die Songs aus, die am besten auf die Platte passen.

Story BildPunch: Fällt euch Songschreiben schwer?
Pulley: Naja, meinst du die Songs fließen einfach so konstant aus uns heraus einer nach dem anderen? Nein, manche Lieder entstehen einfacher und manche schwerer. Manchmal dauerts nur eine halbe Stunde. Und bei anderen Songs bist du mehrere Proben damit beschäftigt was zu ändern oder hinzuzufügen.

Punch: Aber die Songs sind fertig, wenn ihr ins Studio geht oder schreibt ihr da noch an den Stücken?
Pulley: Ja, zu ungefähr 99%. Vielleicht macht der Produzent noch was an den Songs aber eigentlich sollten sie in der Pre-Production Phase fertig sein. Meist wird an den Vocals nochmal etwas verändert.

Punch: Wie wichtig ist euch der Produzent?
Pulley: Er ist quasi das 6. Mitlied der Band. Er kann sehr objektiv sein, so wie ein Schiedsrichter, der mit frischen Ohren (kann man das so übersetzen, 'fresh ears'? d. Übersetzer) an die Sache herangeht und keine Angst hat zu sagen, dass etwas scheisse klingt. Nichts gegen Kritik aber es ist immer einfacher wenn die Kritik nicht aus der Band kommt sondern von draußen.

Punch: Mit wem werdet ihr das nächste Album aufnehmen?
Pulley: Es wird Brett (Gurewitz, Bad Religion, die Red.) von Epitaph sein.

Punch: Habt ihr ihn gefragt? Ihr habt bisher ja immer mit Ryan Greene aufgenommen?
Pulley: Ryan ist super, wir wollen auch gar nichts gegen ihn sagen. Aber er hat einen sehr bestimmten Sound.

Punch: Habt ihr eine Idee, wie sich die Mitarbeit von Brett auswirken könnte?
Pulley: Wir hoffen natürlich, dass sich ein etwas anderer, neuer Sound entwickeln wird. Natürlich nicht total anders als bisher, immer noch dieselbe melodische Art von Punkrock.

Also wir gehen ja schon mit einer sehr konkreten Idee ins Studio und dann ist da jemand der ein wenig nachhilft und die Ecken etwas glättet.

Punch: Aber man hat dann auch einen bekannten Namen im Booklet stehen, wie z.B. Ryan Greene.
Pulley: Oh, deshalb machen wir das aber nicht. Außerdem musst du ja auch erst die CD kaufen um ins Booklet zu gucken, wer die Band produziert hat haha. Nein, darauf kommts nicht an, das ist nebensächlich.

Wir mögen ein paar andere Projekte, die Brett produziert hat, und wir mögen seinen Sound sehr. Einige meiner Lieblingsproduktionen sind von ihm.

Story BildEr hat immer einige Melodieideen, kleine Zusätze oder Gitarrenspielereien. Außerdem spielt er sehr gut Drums, hoffentlich kann er mir noch ein paar andere Sachen zeigen, die ich normalerweise nicht spielen würde, worauf ich mir sehr freue. Einfach mal was Neues machen.

Punch: Kein Interview in heutiger Zeit ohne eine Frage zum Thema Irak. Wie wichtig ist es für euch, dass ihr zur Zeit nicht in Amerika seid. Guckt ihr Fernsehn oder versucht euch zu informieren? Wärt ihr lieber in Amerika zur Zeit?
Pulley: Ja klar, wir interessieren uns natürlich für das was da passiert, wer tut das nicht? Wir versuchen Zeitung zu lesen und dranzubleiben an dem, was passiert. Eigentlich haben wir aber Glück hier zu sein und das zu tun was wir mögen und wollen. Da haben wir ziemlich Glück, dass wir auf Tour sein und einfach Musik spielen können, auch während dieser ziemlich wichtigen Zeit in der Geschichte.

Natürlich sind wir besorgt um die Amerikaner, die jetzt wegen 'bad reasons' sterben.

Das gute am Touren ist, dass wir nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen und vollgestopft werden von den einseitig berichtenden Medien. Sie zeigen die sowieso nicht alle Seiten der Dinge, die da ablaufen. Sie sagen dir nur, wieso die anderen böse sind.



meyer@punch-fanzine.de
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Externe Links:
Pulley Website:
www.x-members.com
Interne Links:
Live Review:
NOFX mit Pulley: Köln, Palladium 06.09.2002
Live Review:
Pulley: Bochum, Zwischenfall 03.04.2003