Punch: Wie läuft die Tour?
Pulley: Die Tour läuft gut. Wir haben in England ein
paar Shows gemacht, die nicht eingeplant waren. Es kamen ein
paar Leute vorbei. Die Leute die kamen
hatten glaube ich eine gute Zeit und die Reaktionen waren auch
gut.
Punch: Wie kommt es, dass ihr so bald wieder hier seid in Europa?
Pulley: Nach
der Tour mit NUFAN und den Festivalshows mit NOFX fanden wir
dass wir so schnell wie möglich wiederkommen sollten ohne zuviel Zeit
zu verlieren. Um den Leuten im Gedächtnis zu bleiben, damit sie wissen,
dass es uns noch gibt. Und außerdem wollten wir gerne als Headliner
widerkommen und nicht nur als Supportband.
Punch: Auch ohne dass ihr
ein neues Album draussen habt?
Pulley: Naja, das ist eigentlich unsere
erste Tour zum letzten Album wo wir Headliner sind.
Punch: Sind auf dieser Tour mehr Leute bei den Shows als bei der
letzten Tour?
Pulley: Das ist schwer zu sagen,
weil das ja die NUFAN Tour war und die sind hier wirklich
stark.
Punch: Wie wichtig ist Deutschland für euch, wenn ihr in Europa toured?
In England spielt ihr auf dieser Tour ja auch viele Shows.
Pulley: Ungefähr
so wie England. Im Vergleich zu Frankreich kann man hier in
Deutschland 20 Shows spielen und in Frankreich nur 2. Diesmal
sind wir aber nicht in Frankreich.
Punch: Fällt euch ein Unterschied auf zwischen euopäischen Punkbands
und amerikanischen was z.B. das Aussehen angeht?
Pulley: Bei uns gehts
nicht um ein Fashion-Statement. Wir sind hässlich. "We
are an american-kind of ugly."
Punch: Wie seht ihr die Unterschiede im Bereich Professionalität
auf der Bühne?
Pulley: Wir trinken natürlich auch, allerdings meisten nach dem Konzert.
Wir brauchen keinen Alkohol um schlecht zu spielen. (lacht).
Wir wollen am Abend einfach nur so tight spielen wie es geht.
Wenn du 6000 Meilen
fliegst und steckst so viel Zeit und Geld und Anstrengung in
diese Sache und dann willst du dich auf der Bühne nicht wie ein Arschloch
aufführen,
sondern du willst die beste Performance abliefern die du drauf
hast. Es ist doch besser wenn die Leute bei deinem nächsten Konzert
vorher erzählen dass du gut warst und nicht dass die Leute sagen die
Band war schlecht, besoffen und hat sich nicht fürs Publikum interessiert.
Manchmal bemühen wir uns vielleicht auch zu sehr perfekt zu sein.
Bei einem Konzert auf dieser Tour kam jemand zu Scott und hat
erzählt: "Bei eurer letzten Tour wart ihr bullshit!"
Punch: Wie sieht es im Studio aus? Ist euch da Professionalität ebenfalls
wichtig?
Pulley: Ja, wir wollen es besonders "tight" hinbekommen.
Punch: Was hört ihr persönlich für
Musik?
Pulley: Oh eine Menge Indie, z.B. "At The Drive In". Eigentlich kein
Punkrock. Das langweilt mich ein wenig. Naja, es gibt eine
Menge gute Punkbands, aber zur Zeit höre halt lieber eher verrückte
Sachen.
Achja. Was ich noch zum Thema Sound auf der Bühne sagen wollte. Manchmal
bekommen die Leute eine falsche Vorstellung von deiner Band, weil die PA
schlecht ist oder die Akkustik des Clubs. Manchmal funtioniert es halt
und manchmal nicht. Es kommt einfach drauf an wie der Club gebaut ist,
manchmal hast du einfach zu viel Hintergrundgeräusche oder Echos,
die dann Feedbackprobleme auslösen. Vor ein paar Tagen haben wir an
einem Ort gespielt, wo du nur den puren Sound der PA, des Schlagzeugs und
der Verstärker gehört hast. Manchmal kannst du aber noch nichtmal
dein eigenes Instrument hören. In einer anderen Stadt haben wir in
einem Bunker gespielt und das war einfach nur frustrierend. Die Drums waren
selbst ohne Mikros superlaut. Und diesmal haben wir auch unseren Soundtechniker
nicht dabei, das hilft normalerweise sehr viel. Einer der weiss wie du
klingst und wie er dich abmixen muss bei einer Liveshow.
Punch: Was für einen Background habt ihr, kommt ihr aus einer speziellen
Szene?
Pulley: Eigentlich gehören wir zum richtigen California-Punkrock-Klischee.
Punch: Wann ging das für euch los?
Pulley: Man könnte fast sagen: Schon als es mit Punkrock insgesamt losging
in den USA und dann in L.A. ankam und wir damit in Berührung kamen.
Nenn es einfach Evolution. Bands wie NOFX oder Bad Religion
hatten einen großen Einfluß auf diese Evolution, die letztlich
dazu führte,
dass Punkrock einem größeren Publikum zugänglich wurde
...
Du weichst der Frage aus!
Wie war nochmal die Frage?
Punch: Wie sah das bei euch persönlich aus. Wie seid ihr zum Punkrock
und in die L.A. Musikszene gekommen?
Pulley: Hm, wir haben eigentlich
alle vorher Rockmusik gehört, Kiss, Led
Zeppelin, AC/DC, solche Bands halt. Ich hab mit Musik eigentlich
erst angefangen als ich auch mit Punkmusik in Berührung kam.
Punch: Welche Fortschritte habt ihr gemacht und welchen Einflüssen
wart ihr ausgesetzt?
Pulley: Bad Religion ist unser größter Einfluss, ganz sicher. Wir haben
aber auch Pennywise oder NOFX gehört oder The Offspring. Eigentlich
Bands die viel Melodie in ihrer Musik hatten. Definitiv haten
auch die Descendents oder Social Distortion großen Einfluss. Songs
mit Melodien, die aber früher nicht als 'hardcore' genug empfunden
wurden ...
Eigentlich ist es egal, was die Leute sagen. Wir
sind schließlich
schon seit 20 Jahren dabei. Wenn ich mit Musik Geld machen wollte hätte
ich vor 10 Jahren schon aufhören müssen.
Punch: Habt ihr euch schon mal Gedanken gemacht, wie lange ihr noch bei
der Musik bleiben wollt?
Pulley: Hey, auf Tour gehen ist für mich Ferien zu haben. Wir müssen
uns nur vielleicht etwas anpassen und es uns gemütlicher machen, dann
gehen wir bestimmt noch mit 60 oder 70 auf Tour haha.
Punch: Wie siehts mit einem neuen Album aus? Habt ihr da schon Ideen im
Kopf?
Pulley: 'Total-Radio-Commercial'! (Gelächter - man hatte sich vorher über
das leidige Thema Kommerzialisierung des Punk und alles was
dazu gehört
unterhalten ...). Nein, es sind schon 11 Songs geschrieben
und wir werden im September ins Studio gehen. Das ist auch
schon fest gebucht.
Punch: Wie geht ihr an ein neues Album ran? Schreibt ihr erst einen Haufen
Songs und sucht dann die Besten aus, so wie das viele Bands
machen?
Pulley: Wir schreiben so viele Songs wie wir können, so viele gute Songs
wie wir können, mit denen jeder in der Band glücklich ist. Und
wenn zum Schluß alle Songs fertig sind dann suchst du die Songs aus,
die am besten auf die Platte passen.
Punch: Fällt euch Songschreiben schwer?
Pulley: Naja, meinst du die Songs
fließen einfach so konstant aus uns heraus
einer nach dem anderen? Nein, manche Lieder entstehen einfacher
und manche schwerer. Manchmal dauerts nur eine halbe Stunde.
Und bei anderen Songs
bist du mehrere Proben damit beschäftigt
was zu ändern oder hinzuzufügen.
Punch: Aber die Songs sind fertig, wenn ihr ins Studio geht oder schreibt
ihr da noch an den Stücken?
Pulley: Ja, zu ungefähr 99%. Vielleicht macht der Produzent noch was an den
Songs aber eigentlich sollten sie in der Pre-Production Phase
fertig sein. Meist wird an den Vocals nochmal etwas verändert.
Punch: Wie wichtig ist euch der Produzent?
Pulley: Er ist quasi das 6. Mitlied der
Band. Er kann sehr objektiv sein, so wie ein Schiedsrichter,
der mit frischen Ohren (kann man das so übersetzen,
'fresh ears'? d. Übersetzer) an die Sache herangeht und keine Angst
hat zu sagen, dass etwas scheisse klingt. Nichts gegen Kritik
aber es ist immer einfacher wenn die Kritik nicht aus der Band
kommt sondern von draußen.
Punch: Mit wem werdet ihr das nächste Album aufnehmen?
Pulley: Es wird Brett
(Gurewitz, Bad Religion, die Red.) von Epitaph sein.
Punch: Habt ihr ihn gefragt? Ihr habt bisher ja immer mit Ryan Greene
aufgenommen?
Pulley: Ryan ist super, wir wollen auch gar nichts gegen
ihn sagen. Aber er hat einen sehr bestimmten Sound.
Punch: Habt ihr eine Idee, wie sich die Mitarbeit von Brett auswirken
könnte?
Pulley: Wir hoffen natürlich, dass sich ein etwas anderer, neuer Sound entwickeln
wird. Natürlich nicht total anders als bisher, immer noch dieselbe
melodische Art von Punkrock.
Also wir gehen ja schon mit einer
sehr konkreten Idee ins Studio und dann ist da jemand der ein wenig nachhilft
und die Ecken etwas glättet.
Punch: Aber man hat dann auch einen bekannten Namen im Booklet stehen,
wie z.B. Ryan Greene.
Pulley: Oh, deshalb machen wir das aber nicht.
Außerdem musst du ja auch
erst die CD kaufen um ins Booklet zu gucken, wer die Band produziert
hat haha. Nein, darauf kommts nicht an, das ist nebensächlich.
Wir
mögen ein paar andere Projekte, die Brett produziert hat, und
wir mögen seinen Sound sehr. Einige meiner Lieblingsproduktionen sind
von ihm.
Er hat immer einige Melodieideen, kleine Zusätze oder Gitarrenspielereien.
Außerdem spielt er sehr gut Drums, hoffentlich kann er mir noch ein
paar andere Sachen zeigen, die ich normalerweise nicht spielen
würde,
worauf ich mir sehr freue. Einfach mal was Neues machen.
Punch: Kein Interview in heutiger Zeit ohne eine Frage zum Thema Irak.
Wie wichtig ist es für euch, dass ihr zur Zeit nicht in Amerika seid.
Guckt ihr Fernsehn oder versucht euch zu informieren? Wärt ihr lieber
in Amerika zur Zeit?
Pulley: Ja klar, wir interessieren uns natürlich für das was da passiert,
wer tut das nicht? Wir versuchen Zeitung zu lesen und dranzubleiben
an dem, was passiert. Eigentlich haben wir aber Glück hier zu sein
und das zu tun was wir mögen und wollen. Da haben wir ziemlich Glück,
dass wir auf Tour sein und einfach Musik spielen können, auch während
dieser ziemlich wichtigen Zeit in der Geschichte.
Natürlich sind wir
besorgt um die Amerikaner, die jetzt wegen 'bad reasons' sterben.
Das
gute am Touren ist, dass wir nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen
und vollgestopft werden von den einseitig berichtenden Medien. Sie
zeigen die sowieso nicht alle Seiten der Dinge, die da ablaufen.
Sie sagen dir nur, wieso die anderen böse sind.
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