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"Betrunken-bekiffter
Wanderzirkus" |
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Die Lawrence Arms haben ein
aktuelles Album auf den Markt geworfen, das eine ganze
Menge Stärken hat. Musikalisch eine klare Weiterentwicklung
zur letzten Scheibe und inhaltlich eine etwas anspruchsvollere
Herangehensweise als andere Punkbands, denen man gerne
das 08/15 Zettelchen ankleben wollte. Wenn man ein Konzept
unterstellen will, dann dreht sich "The Greatest Story
Ever Told" um Freakshows, Zoobesucher und Artisten. Dazu
kommt ein darauf abgestimmtes Booklet, dem man durchaus
besonders viel Zeit widmen kann. So wie hoffentlich diesem
Interview!
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Punch: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die Fussnoten zu jedem
Song abzudrucken? Ich persönlich mag den Einfall aber vielleicht sind
manche Leute enttäuscht, weil sie sonst ihre eigene Interpretation der
Lyrics hättten? Wollt ihr überhaupt, dass die Fans wissen, worum
es in den Texten geht?
TLA: Die Footnotes haben wir zum Spaß geschrieben. Ich glaube nicht,
dass sie den Fans die Chance nehmen, sich mit den Songs zu identifizieren.
Die Fussnoten sind einfach Fussnoten und keine Erklärungen dazu, worum
es in dem Lied geht. Ich glaube einfach, dass sie lustig sind.
Es ist nicht so wichtig für die Hörer zu wissen, worüber ich
singe. Ich weiss die meiste Zeit selber nicht, worüber ich rede.
Punch: Wie wichtig sind die Texte für eure Musik? Ich hab das Gefühl,
dass ihre Bedeutung mit dem neuen Album angestiegen ist. Ihr erzählt
viel bildlichere Geschichten und malt mehr Bilder mit euren Songs als vorher.
Würdest du da zustimmen?
TLA: Die Texte waren für Chris und mich immer schon das wichtigste.
Ich glaube, wir haben auf diesem Album einen besseren Job abgeliefert,
aber die Texte waren immer der größte Schwerpunkt, oder zumindest
war es immer so geplant.
Punch: Wie würdest du die Veränderung beschreiben,
die sich von "Apathy & Exhaustion" zu "The Greatest
Story ..." ergeben
haben? Ich würde sagen, Lawrence Arms haben die melancholische Seite
des Lebens entdeckt?
TLA: Ich denke, es ist eine mehr schizophrene CD geworden.
Sie hat mehr Energie, mehr Humor und mehr Wut. Und es ist ein
dunkleres Album entstanden.
Punch: Wenn ich jemandem von den Lawrence
Arms erzähle, dann sage
ich, dass ihr euch ein wenig nach dem Alkaline Trio anhört. Habt ihr
das schon vorher mal gehört und was haltet ihr von solchen Vergleichen?
Ich glaube, ihr seid auch schon mit Matt Skiba und Kollegen
getoured?!
TLA: Wir sind mit ihnen aufgewachsen. Sie gehören
zu unseren besten Freunden. Wir sind zusammen aufgewachsen,
haben dieselben Bands gehört
und sind auf denselben Parties betrunken gewesen. Ich glaube
nicht, dass sich unsere Bands gleich anhören, aber wenn sie es
tun, dann liegt es vielleicht daran, dass wir unseren Geschmack
auf denselben
Konzerten,
Parties oder den Drogenfeten in unseren Elternhäusern kultiviert haben.
Punch: Würdest du zustimmen, dass es zwei
verschiedene Arten von Liedern auf dem Album gibt: Melancholische Emo-Songs
und althergebrachte
Punkrocker-Tracks? Oder denkt ihr nicht an eine solche exakte
Trennung?
TLA: Ich glaube, es gibt eine gewisse Dynamik auf der Platte.
Aber ich glaube auch, dass es eine ganze Tonne verschiedener
Lieder sind. Ich würd nicht zwei sagen, eher vielleicht acht verschiedene
Musikrichtungen.
Punch: Ich finde, in euren Texten geht es sehr
stark um Angst, Wut, Verlust und ähnliche Gefühle. Warum ist
das so? Als ich euch Mitte des Jahres in Köln auf der Bühne gesehen
habe, hatte ich nicht das Gefühl, dass ihr eine allzu traurige Band
seid, eher eine Partyband?!
TLA: Tja, wir schreiben über ernsthafte Themen,
aber es gibt nichts dämlicheres, als wenn man sich selbst zu ernst
nimmt. Es macht uns einfach Spaß zu spielen und ich werde nicht
so tun, als ob es mir schlecht gehen würde, wenn ich doch gerade
die beste Zeit des Tages erlebe. Die Bands, die so tun als
ob sie etwas großartiges, ernsthaftes
und wichtiges auf der Bühne machen haben es nicht gerafft. Ich würde
sie am liebsten anschreien: "YOU'RE IN A BAND!! YOU'RE AN ENTERTAINER!
THAT'S IT!! LOOSEN THE FUCK UP!"
Punch: Wie
kamt ihr auf die Idee das Thema 'Zirkus' als Leitbild für
die CD zu wählen? Inwieweit fühlt ihr euch Teil einer Freakshow
des Punk?
TLA: Es war einfach das Thema von all den Songs auf
der CD. Ernsthaft. Wir haben nie geplant ein Konzeptalbum zu schreiben.
Es ist einfach passiert. Ich hab auch nicht geplant alle Songs über
ein Thema zu schreiben, es ist halt so gewesen. Wir sind der
betrunken-bekiffte kleine
Wanderzirkus der durch die Welt tingelt und eine kleine Show
auf die Beine stellt. Das ist das Bild, das das Album vermitteln
soll.
Punch: Gibt es eine spezielle Botschaft die ihr verbreiten wollt?
TLA: Weiss ich nicht. We aren't a fucking Wal Mart. Wir geben
keine Missionsideen aus. Wir haben Glauben an bestimmte Dinge,
wir haben eine Meinung und Ideen aber wir stehen hinter keiner speziellen
Meinung.
Da kann man wieder bei dem Punkt anknüpfen, sich selber nicht zu
ernst zu nehmen.
Punch: Habt ihr über das sehr metaphorische
Freakshow - Thema gesungen, um nicht über die üblen Dinge
texten zu müssen, die sonst
so in der Welt passieren? Oder hebt ihr das Ganze nur auf eine
andere Ebene, indem ihr sagt, dass die Welt ein Zirkus ist
und jeder guckt zu?
TLA: Nunja, es sind persönliche Songs. Es gibt bestimmte Zeiten für
Politik in der Rockmusik und einige meiner Lieblingsbands sind sehr politisch.
Wir waren auch mal sehr politisch, aber die guten Songs, die ich jetzt
schreibe, sind es nicht. Wenn nur einer meiner Songs über George W.
Bush gut genug für die Platte gewesen wäre, dann wäre er
drauf gekommen. Aber es waren alles keine guten Songs.
Punch: Kannst du beschreiben, wie ihr Songs schreibt? Brendan und Chris singen
ja beide und es haben auch beide einen besonderen Stil. Schreibt
da jeder seine eigenen Songs und singt sie oder schreibt ihr
zusammen und entscheidet dann, wessen Stimme beser passt?
TLA: Wir schreiben die Songs die wir auch singen. Aber wir
wissen auch, dass wir verschiedene Gesangstile haben und spielen
den Unterschied aus.
Punch: Was erwartet ihr von den Liveshows mit dem neuen
Material? Passen
die langsameren Songs eher schwer in ein Powerset, wie ihr
es bei der Fat Package Tour gespielt hat?
TLA: Die Songs machen alle Spaß zu spielen. Und es gibt auf dem Album
schließlich viele schnelle, kurze und wütende Lieder, die live
sehr viel Spaß machen. Es wird bestimmt gut klappen.
Punch: Habt ihr
irgendwelche speziellen Ziele, die ihr mit "The Greatest
Story ..." erreichen wollt? Zum Beispiel eine bestimmte Verkauszahl
erreichen oder mit einer bestimmten Band touren?
TLA: Wir wollen 10 Millionen Platten verkaufen und mit Cher
touren.
Punch: Glaubt ihr, dass Fat Wreck Chords mit eurer Platte
eine größere
Vielfalt in ihr Programm bekommen?
TLA: Ich glaub schon. Ich glaube, dass es dadurch interessanter
wird, aber das weiss ich nicht wirklich. Ich bin etwas zu nah dran, um
unparteiisch zu sein.
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