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"Irgendwie passiert einem das, wie ein Autounfall"
Wie viele Bands hat man schon als Vorguppe ertragen, die einen nur zum nächsten Bierstand getrieben haben?! Und wie oft hat man die Ohren gespitzt und sich den Namen gemerkt, damit man nach dem Katerfrühstück im Internet auf Konservensuche gehen konnte? Das Verhältnis überwiegt klar zum Vorteil des Biertrinkens.
Eine Ausnahme waren BITUME als Vorband der Terrorgruppe in Hamburg. Ziemlich frisch und professionell präsentierte sich die Band aus Oldenburg. Was für ein Glück, dass ein Kontakt zu Bitume entstand und das Punch-Fanzine deshalb einen groben Überblick über die Geschichte und Einstellung der PunkCombo gewinnen konnte. Philip hat sich netterweise bereit erklärt, Licht ins Dunkle zu bringen, was Anfänge, Vorbilder und Zukunftspläne angeht. Und noch besser: In kurzer Zeit gibts ein neues Album. Also, aufgepasst und mitgelesen, damit ihr vorbereitet seid, wenn demnächst die Einladung in die "Punkrock Motorcity" erfolgt!
Story BildPunch: Wie alt seid ihr denn so und seid wann macht ihr Musik? Bitume gibts ja seit 1999. Habt ihr schon vorher in Bands gespielt?

Philip: Nun ja, der Altersdurschnitt der Band dürfte dank mir irgendwo in den spät 20ern liegen. Wir können halt Erfahrungen aus verschiedenen Generationen einfließen lassen... haha! Wir hatten alle vorher schon andere Bands und machen auch alle Musik seit wir denken können. Jedenfalls ging das bei mir mit dem Denken und Musik machen so ziemlich in der selben Zeit los. Allerdings ist nichts was vorher passiert ist, mit dem zu vergleichen, was wir heute zusammen abliefern können.

Punch: War PunkRock sofort eurer Ding oder habt ihr euch von anderen Musikrichtungen aus in diese Klasse hochgerobbt? Wie seid ihr überhaupt zum PunkRock gekommen? Z.B. Sozialisierung durch Geschwister?

Philip: Ich für meinen Teil habe nie etwas anderes gemacht als Punkrock. Das heißt nicht, dass ich nur Punkrock höre, im Gegenteil. Ich will und kann halt einfach nichts anderes spielen und das ist auch gut so. Wir lassen uns von diversen Stilen beeinflussen, aber im Endeffekt kommt doch wieder etwas raus, was man im groben Sinne als Punkrock bezeichnen kann. Wir haben auf dem neuen Album, dass im Februar erscheint einige Ausflüge in andere Gebiete der Musik unternommen aber letzten Endes wird es wieder nach BITUME klingen. Eine Sozialisierung durch Geschwister hat es bei mir nicht gegeben. Irgendwie passiert einem das, wie ein Autounfall, und dann lebt man damit!

Punch: Eure Texte und eurer Sound klingen aggressiv und wütend. Hat PunkRock für euch generell etwas mit Dampfablassen zu tun?

Philip: Auf jeden Fall. Ich könnte mich in keiner Band wohl füllen in der der Hauptteil der Musik aus Balladen oder einfach nur ruhigen Stücken besteht. Das muss rocken und das klingt dann halt meistens aggressiv! Allerdings haben wir gerade auf der neuen Platte, die gerade frisch im Kasten ist auch mal was ruhiges und langsames dabei, was aber trotzdem rockt und auch nicht unbedingt leichte Kost ist. Ich hasse Texte wie die Pest, die die ganze Welt nur in den Himmel loben und nicht mal kritisch und vor allem realistisch an die Dinge rangehen. Das andere Extrem ist auch langweilig. BITUME Texte sind sehr frei zu interpretieren, weil sie halt nicht besonders aufdringlich in ihren Aussagen und Themen sind. Wer sich nicht damit beschäftigt kann mit dem Sinn des ganzen meist auch nichts anfangen.

Story BildPunch: Wann habt ihr euch entschieden, dass es deutsche Texte sein sollen und warum? Welche Vor- und Nachteile seht ihr in deutschem Gesang? Massenkompatibler wird man dadurch ja nicht?

Philip: Wir standen nie vor der Frage in welcher Sprache die Musik sein soll. Crischan schreibt die Texte weil er sie singt und weil er das am besten kann. Ich denke nicht, dass die Musik die wir machen in Englisch wirken würde. Natürlich sind viele Leute erst mal abgeschreckt, wenn es um "Deutschpunk" geht, da sie wahrscheinlich von der platten Asselpunkfraktion ein wenig vorbelastet sind. Wir machen aber halt keinen reinen Deutschpunk und die Unterschiede wird jeder raushören der nur ein paar Takte unserer Songs hört.

Punch: Was würdet ihr sagen, ist ein Merkmal eurer Musik, die sich von anderen Bands abhebt? Oder ist euch das nicht so wichtig?

Philip: Wir haben nie darauf geachtet, uns von anderen Bands abzuheben, im Gegenteil, bei anderen Bands klauen ohne das es jemand merkt macht verdammt viel Spaß. Ob wir uns irgendwie von anderen Bands abheben, kann ich überhaupt nicht beurteilen. Ich wüsste keine Band, die ähnlich wie Bitume klingt, allerdings werden vielleicht andere Leute etwas anderes sagen. Ist auch nicht so wichtig, wenn jemand uns mit Social Distortion vergleicht, kann man sich ja nur geschmeichelt fühlen und vielleicht ist das eine oder andere Stück ja auch an ein paar andere Bands und Stücke angelegt.

Punch: Wie eng seid ihr mit der "deutschen Punkszene" verwachsen? Ich meine jetzt die halbwegs politische "Plastic Bomb" Szene, die sich ja eher an den vermeintlich "weichgespülteren" amerikanischen Bands wie NOFX, Lagwagon, Strungout usw. reibt.

Story BildPhilip: Ich für meinen Teil komme halt aus dem deutschen Punkrock. Vor ein paar Jahren war ich mit der Szene mehr verwachsen als jetzt, was nicht heißt, dass ich damit nichts zu tun haben will. Meine Interessen und Zeitplanungen haben sich nur sehr verändert in den letzten Jahren. Ich teile auch die Musik nicht ein in amipunk oder deutschpunk. Wenn die musik rockt und glaubwürdig ist, hat sie alles was sie braucht.

Punch: Wo würdet ihr euch selber einordnen? Ich finde, dass ihr durch den deutschen Gesang und dem doch recht starkem "Fat Wreck" Sound eine ziemlich gut abgehangene Mischung aus AmiPunk und deutschem Punk hinbekommen habt.

Philip: Der Vitaminepillen Ralf hat bei unserem ersten Kontakt bemängelt, dass wir zwischen den Stühlen sitzen würden. Ich finde das allerdings eher positiv. Wir haben genau die Sparte getroffen vor der viele erst mal stutzig stehen bleiben.

Punch: Überhaupt: Mit welchen Bands seid ihr aufgewachsen? Welche haben euch zum Musikmachen gebracht und wie hat sich der Geschmack im Laufe der Zeit verändert, wenn er sich denn verändert hat?

Philip: Eigentlich hat sich das Spektrum nur erweitert. Es gibt wenige Sachen die ich früher rauf und runter gehört habe und heute nicht mehr anfassen würde. Ich liebe Bands wie Wizo, Dackelblut, Boxhamsters etc... heute noch genauso wie vor 8 Jahren. Im Laufe der Jahre kam denn so was wie Brian Setzer, New Model Army, Social Distortion, Living End und Robbie Williams dazu. Im Moment ist das Größte was die Musikwelt zu bieten hat T.V.-Smith!!!

Story BildPunch: Wie ist der Kontakt zu Vitaminpillen Records entstanden? Hattet ihr andere Angebote oder habt ihr euch bewusst für dieses Label entschieden? Habt ihr euch mal bei Kollegen wie den Wohlstandskindern informiert, wie es da so abläuft?

Philip: Durch Bands wie Tagtraum oder Bambix kannte ich das Label und fand es das für uns passendste. Wir hatten 3 Bewerbungen zu verschiedenen Plattenfirmen geschickt und Vitaminepillen hat geantwortet. Es passte also alles wie Arsch auf Eimer. Wir fuhren hin, haben uns zusammen betrunken und seit dem läuft es halt wie es läuft. Keiner von uns kannte sich mit so was aus. Wir haben das einfach auf uns zukommen lassen und das funktioniert eigentlich sehr gut. Wir haben viel gelernt und machen das meiste eh selbst.

Punch: Wie wichtig war für euch als Band, dass es dann mal mit dem Plattenvertrag geklappt hat? Kommt man irgendwann an einen Punkt, wo man sagt: "Jetzt sollte aber mal was passieren?"

Philip: Wir haben in der Konstellation ja erst 1 1/2 Jahre zusammen gespielt als wir bei Vitaminepillen angedockt haben und konnten uns da eigentlich nie beschweren, dass das ganze solange auf sich warten ließ. Außerdem muss man ja nicht unbedingt einen Vertrag bei einem Label haben um auf Tour gehen zu können. Und viel mehr wurde uns durch die Geschichte mit Vitaminepillen auch nicht ermöglicht. Das entscheidenste war, dass Ralf uns Anstöße und Kontakte mit auf den Weg gegeben hat.

Punch: Wie schätzt ihr die momentane Situation für Bands, besonders aus dem etwas härteren Genre, ein? Ich meine Auftrittsmöglichkeiten, Unterstützung durch größere und bekanntere Bands und Plattenverträge?

Story BildPhilip: Es ist sehr hart als Band eine Show zu bekommen, wenn man nicht viel vorzuweisen hat. Es ist bei uns schon schwer genug eine Tour zu buchen obwohl wir aus den letzten beiden Jahren etliche Referenzen mitbringen können. Der Musik und Konzertmarkt ist einfach total überfüllt. Wieso sollte ein Veranstalter eine Band buchen die keine Platte veröffentlicht hat, die man in jedem Mailorder bekommen kann? Selbst wenn er selbst großer Fan der Band ist, wird er es nur in Ausnahmefällen tun, da er sonst finanziell damit auf die Schnauze fällt. Allerdings gibt es im Punkrock noch eine Szene die offen für neue Sachen ist. Im Altenative-Rock Bereich sieht das ganz anders aus. Entweder Du bist groß oder Du bist klein. Dazwischen gibt es nicht viel und unbekannte Bands haben es wesentlich schwerer eine Tour vollzubekommen als im Punkrockbereich. Natürlich spielt das Glück immer eine große Rolle und wenn eine größere Band sich in eine kleinere verliebt hat und sie deshalb mit auf Tour nimmt ist das das Beste was einem passieren kann. Und auch hier ist der Punkrocker wieder mal wesentlich freundlicher und unabhängiger als jeder andere in der Musikbranche. Da ist das beste Beispiel die Terrorgruppe. Die nehmen mit auf wen sie Lust haben und behandeln die Vorbands als gleichwertig. Es gibt immer spitzen Pennplätze, Catering und alles was die Hauptband halt auch hat. Und das ist in der Größenordnung alles andere als Üblich.

Punch: Was macht ihr, wenn ihr nicht mit Bitume rockt? Macht ihr euch Gedanken, demnächst mal euren Lebensunterhalt mir Musik zu verdienen? Wenn man die Geschichte von Bands liest, die es geschafft haben, dann steht da zu Beginn meistens eine ziemliche Durststrecke drin. Kein Geld, wenig Erfolg und nur mit viel harter Arbeit eine Fanbase erspielen. Schreckt sowas ab? Oder wie geht ihr an das Thema "Karriere" heran?

Philip: Wir haben uns an die Durststrecke gewöhnt. Ich denke wir haben in der letzten Zeit schon einen langen Atem bewiesen und werden das auch weiterhin tun. Die Vorstellung von der Musik zu leben ist extrem unrealistisch. Wir stecken da zwar mittlerweile wesentlich mehr an Zeit und Energie rein, als das es nur ein Hobby wäre aber dass man da nicht mit dem Ansatz des Geld verdienens rangehen darf ist uns schon bewusst. Ein Ziel ist es, dass das ganze sich finanziell von alleine trägt. Das heißt, wir kommen viel rum, können alles machen auf das wir Bock haben und müssen nicht draufzahlen. Das wäre eine Art von Karriere die wir gerne machen würden.

Punch: Als ich euch in Hamburg live gesehen habe, da seid ihr sehr routiniert (in positivem Sinne) und druckvoll rübergekommen, obwohl das Publikum zunächst verhalten agiert hat. Manchmal sieht man auch das Gegenteil von Bands, die angesoffen und etwas unprofessionell daherkommen. Ihr als Vorband dagegen wart total auf den Punkt. Ist das Einstellungssache?

Story BildPhilip: Jau, wenn wir auf der Bühne stehen, denn hat das ganze auch Konzept, sonst würden wir uns unwohl fühlen. Wir sind zwar nicht extrem professionell, haben aber den Ansatz, dass das was wir machen auch gut sein muss. Ich denke wir werden von Konzert zu Konzert besser und durch das viele live spielen wird man denn auch professioneller. Wir wollen halt darauf achten, dass wir keine Scheiße abliefern. Das ist der gewisse Anspruch an sich selbst, dem man zwar nie gerecht wird, aber ohne den es gar nicht so laufen könnte wie es läuft.

Punch: Wie wichtig war die Tour mit der Terrorgruppe? Hat sie euch weitergebracht? Ich für meinen Teil hätte von euch vermutlich sonst nix gehört... habt ihr ähnliche positive Reaktionen mitbekommen?

Philip: Wir haben die Möglichkeit gehabt in diesem Jahr auf gut 15 Konzerten durch die Terrorgruppe vor 300-800 Leuten pro Abend zu spielen und was besseres konnte eigentlich nicht passieren. Wir haben bestimmt vor vielen Leuten gespielt, die sonst nicht zu einem BITUME Konzert gegangen wären. Ich denke dass uns das ne Menge gebracht hat. Wir haben auf der Tour natürlich wesentlich mehr Menschen erreichen können als wenn wir alleine unterwegs gewesen wären und das hat man auch extrem in den Resonanzen gemerkt. Die waren eigentlich durchgehend verdammt gut.

Punch: Wie kommt man mit einer Band aus, die schon x Jahre auf Tour ist und in Deutschland unter den Top Punkbands rangiert? Geben die einem Erfahrung weiter und bringt euch das was, wenn man unter die Fittiche genommen wird?

Philip: Wir haben ja gerade über Professionalität gesprochen und da kann man sich von denen nen ganzen Arsch voll abgucken. Man merkt dass die Jungs das nicht erst seit gestern machen. Die sind einfach ein saueingespieltes Team die Band und die Crew und das macht sehr viel Spaß das ganze mal von Innen mitzumachen.

Punch: In Kürze kommt eure neue CD raus. Könnt ihr die Entstehung mal ganz kurz umreissen? Vielleicht habt ihr dann ja im Februar noch mal Zeit für ein Interview, das sich dann um die neue CD dreht.

Philip: Wir waren gestern bei Vitaminepillen und haben das fertige Master und Cover etc... vorbei gebracht. Ich bin verdammt zufrieden. Die Platte ist anders aber immer noch BITUME. Die Entstehung kann man nicht wirklich kurz umreissen. In diesem Jahr gab es soviel Steine die uns im Weg lagen und es ist ein Meisterstück von uns, dass wir unter diesen Umständen und mit dem Stress eine so coole Platte machen konnten (ganz ohne Eigenlob.. ja ja)
Jetzt sieht es so aus, dass der ganze Kahn nach allem Drehen und wenden wieder mit der alten Mannschaft fährt. Unser alter Schlagzeuger Tom ist wieder an Bord und wir freuen uns riesig auf die anstehenden Konzerte.

Story BildPunch: Wie sieht euer Jahresausklang aus? Probt ihr für die anstehende Tour und den CD Release? Wie fühlt man sich, wenn ein neues Album herauskommt? Was glaubt ihr, welche Reaktionen kommen werden? Von Fans und Kritikern? ;-)
Was erwartet ihr von "Punkrock Motorcity" für die Band?

Philip: Der Jahresausklang heißt ganz tief in grüne Flaschen reingucken und das wird bestimmt wieder anstrengend. Wir fangen nächste Woche mit dem Proben an und haben in zwei Wochen das erste Konzert. Wir sind saugespannt was das Jahr so bringen wird und wie die Leute auf das Album reagieren werden. Wir haben nie bestimmte Erwartungen von einem Album. Was kommt das kommt und wenn man auf einmal vor größeren Möglichkeiten steht ist das natürlich das coolste was passieren kann.


meyer@punch-fanzine.de
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Externe Links:

Bitume Online:
www.bitume.de
Vitaminpillen Rec. Online:
www.vitaminepillen-records.de