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The Lawrence Arms: "Oh Calcutta!" Label: Fat Wreck Chords
CD Cover Was konnte nach dem Gesamtkunstwerk "The Greatest Story Ever Told" überhaupt noch kommen? Für so ein Album brauchen andere Bands ihr ganzes Leben, die Lawrence Arms rotzen es Anfang 2003 einfach so - nur von aufmerksamen Zeitgenoßen beobachtet - raus. Umso spannender gestaltete sich die einführende Frage, als die Veröffentlichung von "Oh Calcutta" vor längerer Zeit angekündigt wurde. Jetzt liegen 12 Antworten vor, die einen zunächst etwas ernüchtert zurücklassen. Oberflächliche Eingängigkeit war noch die Sache von Brendan, Neil und Chris, aber "Oh Calcutta" muss diesmal ganz besonders entdeckt werden.
Die ersten Songs knallen rau und dreckig aus den Boxen, so wie man die Band ja auch kennt. Im Gegensatz zum wohlaustarierten Vorgänger fehlen aber die ruhigeren, tiefmelancholischen Songs, bei denen Chris singt. Die Knüppelnummern scheinen ein Übergewicht zu haben, die Zwischentöne, die in den krachigeren Tracks immer auch durchschimmerten sind groberer Härte gewichen - auf den ersten Blick! Erst mit dem sechsten Lied "Are you there Margaret? It's me God" ertönt erlösend die bekannte Lawrence Arms-Melodieversessenheit mit versetztem Gesang von Brendan und Chris. Und 110% sind sie dann zurück mit "Losing your Illusion I"! Lässig druckvoll dahingeschnoddert mit herzzerreissenden Meldodiebögen und verzweifelt-optimistischen Lyrics.
Wenn man als Fan sich mit diesen beiden "altmodischen Hits" nicht zufrieden geben will, dann muss der Rest der CD halt auch erobert werden. Und zu entdecken gibts tatsächlich einiges. Nicht nur Ausflüge in verschiedenste Musikstile wie z.B. beim Taratino-mäßigen Anfang von "Recovering The Opposable Thumb" oder die angejazzde Atmosphäre bei "Jumping The Shark". Ebenfalls auffallend: die bei aller Härte manchmal fast naiv zu nennenden Gesangslinien. Wie immer großartig: die mit Metaphern und traurig-schaurigen Bildern gespickten Texte, die einem ganz nebenbei aus der Seele sprechen: "Your life spins like a carousel / your hopes are buried in a wishing well"(aus "Beyond the embarassing style").
Mit Rückblick auf das Gesamtwerk der Band passt sich "Oh Calcutta" perfekt ein. Vielleicht war eher "The Greatest Story..." ein Ausrutscher? Im Nachhinein passt das B-Seiten Album "Coctails&Dreams" aus dem letzten Jahr erstaunlich gut zwischen die beiden Veröffentlichungen. Das Tempo und der Härtegrad wurden quasi schrittweise angezogen und was da jetzt im CD-Player liegt ist nur die konsequente Schlussfolgegrung. Wie auch immer, was hinter einem liegt, hilft keinem. Außerdem wartet ja doch eine goldene Zukunft auf die Band. Songs wie "Great Lakes/Great Escapes"haben so viel Substanz und rauen Charme - wer sich durchgräbt, wird dafür belohnt werden. Mit einem Album, auf das man gerne gewartet hat.
meyer@punch-fanzine.de
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Externe Links:
The Lawrence Arms Online:
www.thelawrencearms.net
Interne Links:
CD Review:
Lawrence Arms: "The Greatest Story Ever Told"
Interview:
Lawrence Arms: 30.10.2003
Interview:
Lawrence Arms: 06.05.2003
Live Review:
Fat Package Tour: Köln, Live Music Hall 06.05.2003
Live Review:
Lawrence Arms: Hamburg, Molotov 13.04.2004