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Farin Urlaub: "Am
Ende Der Sonne" |
Label: Völker
Hört Die Tonträger/Universal |
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Wenn jemand einen Grund hat, seine blendend weiße Zähne laut lachend
zu zeigen, dann wohl Farin Urlaub. Mega-erfolgreiches Album mit Die Ärzte
inklusive ausverkaufte Konzerthallen und schließlich das zweite Soloalbum,
das sich bereits bestens in den Charts entwickelt. Die kommenden Gigs quer
durch Deutschland sind zum Teil auch schon ausverkauft - es könnte also
kaum besser laufen. Trotzdem klingt "Am Ende Der Sonne" negativer,
verstimmter und dunkler als das Solodebüt "Endlich Urlaub".
Das fängt schon beim Cover an: vorher weiß und hell, viele alberne
Bilder von einem lachenden FU, jetzt schwarz und mit miesepetrigem Dr. Urlaub,
der in die Kamera guckt, als hätte er eine äußert üble
Diagnose gestellt bekommen. Da fliegen Gegenstände aus den Fenstern
und lange, bergige Wege werden beschritten, mit gesenktem Haupt.
Musikalisch ebenfalls eher düstere Töne: Wer positiv-sommerliche
Sounds wie ehedem "Glücklich", "Jeden Tag Sonntag" oder "Am
Strand" erwartet hat, der wird mit nachdenklichen Tracks wie "Sonne", "Porzellan" oder "Unter
Wasser" kalt erwischt. Eher seltener blitzt der typische Schalk auf,
z.B. in "Wie ich den Marilyn-Manson-Ähnlichkeitswettbewerb verlor" oder
der ersten Single "Dusche".
Soviel zur Grundstimmung, die ja nichts über die Qualität an sich
aussagt. Und die stimmt auf jeden Fall. Textlich kommt in Deutschland heute
meiner Meinung nach keiner an dem Oberarzt vorbei, wer schafft es schon Worte
wie "Schweinerei"oder Sätze wie "Ich weiß es noch
genau/der Himmel über uns war blau/Du hast dich zu mir umgedreht/die
Haare waren vom Wind verweht" völlig unpeinlich zu inszenieren.
Dazu rockt und grooved es allen Ecken aus der CD, meistens irgendwo im mittleren
Tempo und wie gewohnt mit einer ganzen Wagenladung Melodie dabei: Bestes
Beispiel: "Unsichtbar", ein schöner Rocker zur Mitte der Laufzeit
der CD. Danach gehts etwas bergab, "Apocalypse Wann Anders" fällt
wieder ins mystisch-düstere ab, der Track könnte auf einem Ärzte-Album
fast von Bela stammen. Wütend-resigniert folgt dann "Immer Noch",
intelligent und unendlich wahr dagegen "Alles Dasselbe", die Beobachtung,
dass es so etwas wie cooles Independent-Feeling und Jugendsubkultur gar nicht
wirklich gibt. Nur gesagt hats halt noch keiner, dafür muss Farin Urlaub
daher kommen und in 3:28 Sekunden sämtliche Poser in den Arsch treten
und gleichzeitig das Überlegenheitsgefühl von selbsternannten Szenewächtern
zertrümmern. Schön! Trotzdem: Müsste ich mich entscheiden,
würde ich "Endlich Urlaub" den Vorzug vor dem neuen Material
geben. Da knallt unser Blondie nämlich so rein, wie ich das am liebsten
hab, nämlich intelligent-albern. Bis zum Judgement Day höre ich
aber einfach beide Alben.
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